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Die Robinsonliste: Werbewiderspruch aus Datenschutz-Gründen

Die Robinsonliste: Werbewiderspruch aus Datenschutz-Gründen

Berge von Werbung überfluten selbst in Zeiten des Internets noch immer die Briefkästen. Die Robinsonliste möchte damit Schluss machen: Sie dient als Werbewiderspruch und erhöht damit den Datenschutz der Verbraucher. Wir stellen heute vor, wie sich Verbraucher gegen ungewollte Reklame und Adressmissbrauch wehren.

Die Robinsonliste: Was ist das eigentlich?

Die berühmte Romanfigur „Robinson Crusoe“ stand Pate für den Namen „Robinsonliste“: Der Romanheld strandete auf einer verlassenen Insel – und wurde dort wohl nicht einmal von unerwünschter Reklame belästigt. Auswandern muss man nicht gleich, um der Werbeflut entgegenzuwirken. Die Robinsonliste genügt:

Stellen Sie sich die Robinsonliste als eine kostenfreie Schutzliste vor. Verbraucher haben die Option, die eigenen Kontaktdaten in diese Liste einzutragen. Wer eingetragen ist, erhält im besten Falle keine, in jedem Fall aber weniger unaufgeforderte Werbesendungen.

Es gibt die Robinsonliste für unterschiedliche Bereiche: Sie können sich gegen Telefonwerbung aussprechen, gegen Werbepost, E-Mail-Werbung, Mobil- sowie Faxwerbung. Zahlreiche inländische Unternehmen richten sich bereits nach der Robinsonliste und verschonen Verbraucher, die dort registriert sind, mit ihrer Werbung.

Verbraucher sollten jedoch auch wissen, dass diese Robinsonliste nicht verbindlich für Unternehmen gilt. Sie schließen sich freiwillig an, die Robinsonliste einzuhalten, ist also kein Muss. Ein Fortschritt ist es dennoch: Viele User geben an, nach dem Eintragen in eine der Robinsonliste wesentlich weniger Werbung zu bekommen. Das ist doch immerhin etwas.

Wie funktionieren Robinsonlisten?

Unter www.robinsonliste.de oder www.ichhabediewahl.de können sich Verbraucher anmelden und ein Schutzkonto anlegen. Anschließend lässt sich definieren, in welchen der oben genannten Bereiche keine Werbung erwünscht ist. Unternehmen können nun eigene Listen mit der Information, an wen welche Werbebotschaften versendet werden können, abgleichen.

Als Verbraucherin oder Verbraucher erhalten Sie ein sogenanntes „Robinson-Flag“. Bereits viele Werbefirmen schließen Verbraucher mit solchen „Flags“ aus ihren Werbekampagnen aus. In Deutschland existieren zwei Robinsonlisten, die wir Ihnen weiter unten detaillierter vorstellen.

Werbung von ausländischen Firmen, die beispielsweise per E-Mail eingeht, wird sich damit nicht so sehr einschränken lassen. Die meisten Spammer verschleiern ihre Herkunft, nutzen Fremdserver oder hacken E-Mail-Accounts, um selbst nicht aufgespürt zu werden. Vor solchem Spam schützt ein Eintrag auf der Robinsonliste leider nicht.

Worin unterscheiden sich Robinsonlisten vom „Werbestopper“?

Werbestopper.de versteht sich als Alternative zu den Robinsonlisten. Die Idee dahinter ist, dass Werbestopper die Werbung von einzelnen Unternehmen gezielt zu unterbinden versucht. Dafür registrieren sich Verbraucherinnen und Verbraucher online. Anschließend erhalten sie eine Liste jener Unternehmen, die in der Wohngegend werben möchten. Der Nutzer kann nun Werbung von bestimmten Firmen auswählen. Die restlichen Werbetreibenden werden von Werbestopper angeschrieben, damit deren Werbesendungen unterbunden werden. Bekommt der Nutzer dennoch Post von einem solchen Unternehmen, unterstützt Werbestopper weiterführend.

Werbestopper ist eine Initiative der Gesellschaft zur Durchsetzung von Verbraucher-Interessen (GDVI). Kosten fallen für Verbraucher ebenso wenig an wie bei den Robinsonlisten. Sicherlich haben sowohl die Robinsonlisten als auch Werbestopper ihre Vor- und Nachteile; und nichts spricht dagegen, wenn Werbe-genervte Verbraucher beides nutzen.

Die Sicherheit von Robinsonlisten

Es klingt alles so gut: Sie tragen sich auf den Robinsonlisten ein und erhalten weniger Werbung. Da kommt man nicht umhin, sich zu fragen, wie gut denn bitte die eigenen Daten auf den Robinsonlisten geschützt sind. Schließlich ist es notwendig, hier personenbezogene Daten preiszugeben.

Beide Anbieter der Robinsonlisten, die wir Ihnen gleich näher vorstellen, erklären in ihrer Datenschutzerklärung, dass keinerlei Daten an Werbeunternehmen weitergegeben werden. Die Kommunikation zwischen Verbrauchern und den Servern der Robinsonlisten ist verschlüsselt. Der I.D.I. erklärt in seinen FAQ weiter: „Einsicht in Ihre Einträge der Robinsonliste besitzen in allererster Linie Sie. Um möglichst effektiv Hilfestellung bei auftretenden Problemen bieten zu können, kann auch das Hilfe-Team der Robinsonliste bestimmte Daten einsehen. Sensible Daten wie Ihr Passwort sind allerdings nur für Sie einsehbar.“

Es gibt auch Kritiken am System der Robinsonlisten. Bei folgendem Phänomen spricht man vom „Streisand-Effekt“: Fehler, Sicherheitslücken oder Indiskretionen könnten dazu führen, dass eine Robinsonliste öffentlich wird. Die gelisteten Adressen könnten dann gezielt für Werbung ausgenutzt werden – womit die Listen ihren eigentlichen Sinn absolut verfehlen würden.

Jedoch werden die Risiken gesenkt, da die Anbieter ihre Daten verschlüsselt ablegen. Über spezialisierte Abgleichprogramme ist es möglich, exakt die Einträge auszuwerfen, die schon im Datenbestand des Abgleichers existieren.

Aufgrund der steigenden Popularität der Robinsonlisten gibt es natürlich bereits betrügerische Nachahmer. Solche Betrügerseiten bieten diesen Verbraucherschutz jedoch nur gegen ein „Schutzgeld“, also gegen Gebühr an. Die tatsächlichen Robinsonlisten sind jedoch für Verbraucher immer kostenfrei!

Robinsonlisten in Deutschland

Wie Sie bereits herauslesen konnten, existieren in Deutschland zwei verschiedene Robinsonlisten:

Deutscher Dialogmarketing Verband e. V. (DDV)

Den DDV erreichen Sie unter www.ichhabediewahl.de. Bereits seit 1971 führt der DDV eine Robinsonliste, die gegen adressierte Werbebriefe helfen soll. Eine Eintragung kann sowohl generell für alle Werbewege als auch für bestimmte Angebotsbereiche erfolgen. Tragen Sie sich in die Liste ein, gilt dieser Eintrag für fünf Jahre. Damit möchte der DDV Aktualität gewährleisten. Der DDV hat die Robinsonliste ins Leben gerufen, um die Sichtweise der Werbetreibenden zu vertreten.

Interessenverband Deutsches Internet (I.D.I.)

Der I.D.I. ist erreichbar unter www.robinsonliste.de. Auch hier erfolgt der Eintrag kostenfrei. Robinsonlisten führt der I.D.I. bereits seit 1996. Diese Eintragung ist zeitlich nicht limitiert, erfolgt also unbegrenzt. Der I.D.I. vertritt die Interessen von Verbrauchern.

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