Pay as you life PAYL
Pay as you live: Digitalisierung des Gesundheitswesens

Pay as you live: Digitalisierung des Gesundheitswesens

Pay as you live (kurz PAYL) beschreibt ein recht neuartiges Versicherungsmodell. Gesundheitsdaten werden digital erfasst und danach richtet sich der Versicherungsbeitrag aus. Was vielleicht recht vernünftig klingen mag, birgt jedoch Risiken im Datenschutz.

Was ist PAYL?

Die Versicherungswirtschaft gestaltet die Preise und bewertet die Risiken bislang anhand von Risikomerkmalen; darunter etwa Wohnort, Alter, Krankengeschichte und Beruf. Womöglich werden diese Merkmale bald durch weitere Kriterien ergänzt, die verhaltensbasiert ausfallen. Big Data spendiert Versicherern ein riesiges Potenzial: Die Versicherungsunternehmen könnten sich als Gesundheitspartner positionieren. Eine deutlich erhöhte Interaktionsquote durch den Versicherungsnehmer könnte den Versicherungsschutz erlebbar machen.

Hier setzt das neuartige PAYL-Modell an. „PAYL“ – das steht für „pay as you live“; „bezahle entsprechend deinem Lebenswandel“ könnte man übersetzen. Dieses Modell passt hervorragend in den heutigen Gesundheitstrend: Die Bevölkerung scheint ganz versessen darauf, sich selbst zu vermessen und zu optimieren. Entsprechende Tools sorgen für ein einträgliches Geschäft: Wearables und Tracker erfreuen sich größter Beliebtheit.

Eben solche Tools lassen sich nutzen, um die ermittelten Gesundheitsdaten an die Krankenkasse weiterzuleiten. Laut einer aktuellen Umfrage sind etwa 33 % der Anwender bereit dazu, wenn ihnen als Gegenleistung zusätzliche Leistungen oder Beitragsersparnisse versprochen werden. Einige Versicherer erproben dieses Modell bereits: Kunden erhalten Rabatte oder Prämien, wenn sie per Smartphone oder Wearables getrackte Bewegungs- und Gesundheitsdaten an die Versicherung weiterleiten.

Verbraucherschützer prangern ein solches Verhalten an. Das liegt nicht nur an den Datenschutzbedenken. Auch wird eine adverse Risikoselektion befürchtet: Im Kollektiv könnte der Risikoausgleich nicht mehr funktionieren, Kunden werden unfrei und man trägt die Sorge vor gesellschaftlicher Manipulation.

 

Wie funktioniert PAYL und was habe ich davon?

Die „Vermessung des Selbst“ schreitet voran: Schon heute haben zahlreiche Verbraucherinnen und Verbraucher Smartphone-Apps, Wearables oder andere Tracking-Tools zum Erfassen von Fitness-, Schlaf- und Ernährungs-, ja sogar Stimmungsdaten. Der Schritt, diese Daten an Versicherer zu senden, um maßgeschneiderte Tarife zu erhalten, scheint logisch.

Viele Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung kennen zudem das gute alte Bonusheft: Stempel zeigten, was Patienten machen ließen und daraufhin wurden Patienten belohnt. Dank Digitalisierung wandert dieses Bonusheft nun quasi aufs Smartphone – erfasst jedoch deutlich mehr Daten. Aktuelle Modelle funktionieren so, dass Gesundheitsnachweise, etwa die Mitgliedschaft im Fitnesscenter, per QR-Code oder Foto übermittelt werden. Dafür erhält der Patient Bonuspunkte.

Mit einer entsprechenden App können weiterführende Daten zu den Versicherern gesendet werden. Fitness-Apps werden beispielsweise mit Daten aus Google Fit oder Apple Health gefüttert. So lassen sich auch Daten von Wearables übertragen. Die Daten aus den Gesundheits-Apps wandern zum Versicherungsunternehmen und Patienten können Nachlässe oder Sachprämien erhalten. Besonders technikaffine Versicherungsnehmer werden damit zweifelsfrei motiviert, einen gesünderen Lebenswandel zu wählen. Aber wie steht es um den Datenschutz?

 

Warum ist PAYL hinsichtlich des Datenschutzes problematisch?

Es gibt zwei brisante Stellen für den Datenschutz bei PAYL-Tarifen. Zum einen zeigen sich Gesundheitstracker jedweder Form heutzutage noch kein bisschen datenschutzfreundlich. Zum anderen ist unklar, wie der Versicherer selbst mit den Daten der Versicherungsnehmer umgeht.

Wearables wie Fitness-Armbänder, aber auch gängige Gesundheits-Apps haben ein riesiges Problem: Die Daten werden in aller Regel in einer Cloud gespeichert. Nutzer müssen meist einen Account anlegen, der bereits viele persönliche Informationen enthält: Alter, Größe, Gewicht – all dies geben Nutzer bereits im ersten Schritt preis. Nun mögen einige noch denken, dass es unproblematisch sei, solche Daten preiszugeben. Es existieren jedoch auch schon Gesundheitstracker, die auch psychische Stärken und Schwächen erfassen. Mit all diesen Daten lassen sich sehr umfangreiche Nutzerprofile erstellen.

Die zweite Schwachstelle sind die Versicherer selbst. Wir gehen gerade erst die ersten Schritte in der Digitalisierung. Leider muss man vielen Konzernen einen unzureichenden Datenschutz unterstellen – gerade in der Gesundheitsbranche wird immer wieder mahnend darüber berichtet. Unter anderem zeigt beispielsweise die Studie „A new treatment? Healthcare findings from the 20th Annual Global CEO Survey“ von PricewaterhouseCoopers (PwC), dass Cyberattacken das größte Geschäftsrisiko im Gesundheitswesen sind. Diese Studie gibt Alarmierendes preis: lediglich 48 % der Befragten wappnen sich gegen Cyberattacken!

Drei Stufen der Sicherheit müssen für den Datenschutz gegeben sein: die Endgeräte-Sicherheit, also das Smartphone des Patienten. Weiter müssen die Daten der Fitnesstracker geschützt werden. Und zu guter Letzt müssen die sehr sensiblen Daten bei den Versicherungsunternehmen selbst gut aufgehoben sein. Die Gefahr, dass umfassende Nutzerprofile in falsche Hände geraten, ist derzeit noch sehr hoch.

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