{"id":5200,"date":"2018-08-31T07:08:07","date_gmt":"2018-08-31T07:08:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/?p=5200"},"modified":"2023-11-15T13:56:07","modified_gmt":"2023-11-15T11:56:07","slug":"pay-as-you-live-digitalisierung-des-gesundheitswesens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/pay-as-you-live-digitalisierung-des-gesundheitswesens\/","title":{"rendered":"Pay as you live: Digitalisierung des Gesundheitswesens"},"content":{"rendered":"<p>Pay as you live (kurz PAYL) beschreibt ein recht neuartiges Versicherungsmodell. Gesundheitsdaten werden digital erfasst und danach richtet sich der Versicherungsbeitrag aus. Was vielleicht recht vern\u00fcnftig klingen mag, birgt jedoch Risiken im Datenschutz.<\/p>\n<h2>Was ist Pay as you live (PAYL)?<\/h2>\n<p>Die Versicherungswirtschaft gestaltet die Preise und bewertet die Risiken bislang anhand von Risikomerkmalen; darunter etwa Wohnort, Alter, Krankengeschichte und Beruf. Wom\u00f6glich werden diese Merkmale bald durch weitere Kriterien erg\u00e4nzt, die verhaltensbasiert ausfallen. Big Data spendiert Versicherern ein riesiges Potenzial: Die Versicherungsunternehmen k\u00f6nnten sich als Gesundheitspartner positionieren. Eine deutlich erh\u00f6hte Interaktionsquote durch den Versicherungsnehmer k\u00f6nnte den Versicherungsschutz erlebbar machen.<\/p>\n<p>Hier setzt das neuartige PAYL-Modell an. \u201ePAYL\u201c \u2013 das steht f\u00fcr \u201epay as you live\u201c; \u201ebezahle entsprechend deinem Lebenswandel\u201c k\u00f6nnte man \u00fcbersetzen. Dieses Modell passt hervorragend in den heutigen Gesundheitstrend: Die Bev\u00f6lkerung scheint ganz versessen darauf, sich selbst zu vermessen und zu optimieren. Entsprechende Tools sorgen f\u00fcr ein eintr\u00e4gliches Gesch\u00e4ft: Wearables und Tracker erfreuen sich gr\u00f6\u00dfter Beliebtheit.<\/p>\n<p>Eben solche Tools lassen sich nutzen, um die ermittelten Gesundheitsdaten an die Krankenkasse weiterzuleiten. Laut einer <a href=\"https:\/\/yougov.de\/loesungen\/ueber-yougov\/presse\/presse-2015\/pressemitteilung-self-tracking-rund-jeder-dritte-wurde-gesundheitsbezogene-daten-an-krankenversicherer-weitergeben\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aktuellen Umfrage<\/a> sind etwa 33 % der Anwender bereit dazu, wenn ihnen als Gegenleistung zus\u00e4tzliche Leistungen oder Beitragsersparnisse versprochen werden. Einige Versicherer erproben dieses Modell bereits: Kunden erhalten Rabatte oder Pr\u00e4mien, wenn sie per Smartphone oder Wearables getrackte Bewegungs- und Gesundheitsdaten an die Versicherung weiterleiten.<\/p>\n<p>Verbrauchersch\u00fctzer prangern ein solches Verhalten an. Das liegt nicht nur an den Datenschutzbedenken. Auch wird eine adverse Risikoselektion bef\u00fcrchtet: Im Kollektiv k\u00f6nnte der Risikoausgleich nicht mehr funktionieren, Kunden werden unfrei und man tr\u00e4gt die Sorge vor gesellschaftlicher Manipulation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Wie funktioniert PAYL und was habe ich davon?<\/h3>\n<p>Die \u201eVermessung des Selbst\u201c schreitet voran: Schon heute haben zahlreiche Verbraucherinnen und Verbraucher Smartphone-Apps, Wearables oder andere Tracking-Tools zum Erfassen von Fitness-, Schlaf- und Ern\u00e4hrungs-, ja sogar Stimmungsdaten. Der Schritt, diese Daten an Versicherer zu senden, um ma\u00dfgeschneiderte Tarife zu erhalten, scheint logisch.<\/p>\n<p>Viele Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung kennen zudem das gute alte Bonusheft: Stempel zeigten, was Patienten machen lie\u00dfen und daraufhin wurden Patienten belohnt. Dank Digitalisierung wandert dieses Bonusheft nun quasi aufs Smartphone \u2013 erfasst jedoch deutlich mehr Daten. Aktuelle Modelle funktionieren so, dass Gesundheitsnachweise, etwa die Mitgliedschaft im Fitnesscenter, per QR-Code oder Foto \u00fcbermittelt werden. Daf\u00fcr erh\u00e4lt der Patient Bonuspunkte.<\/p>\n<p>Mit einer entsprechenden App k\u00f6nnen weiterf\u00fchrende Daten zu den Versicherern gesendet werden. Fitness-Apps werden beispielsweise mit Daten aus Google Fit oder Apple Health gef\u00fcttert. So lassen sich auch Daten von Wearables \u00fcbertragen. Die Daten aus den Gesundheits-Apps wandern zum Versicherungsunternehmen und Patienten k\u00f6nnen Nachl\u00e4sse oder Sachpr\u00e4mien erhalten. Besonders technikaffine Versicherungsnehmer werden damit zweifelsfrei motiviert, einen ges\u00fcnderen Lebenswandel zu w\u00e4hlen. Aber wie steht es um den Datenschutz?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Warum ist PAYL hinsichtlich des Datenschutzes problematisch?<\/h3>\n<p>Es gibt zwei brisante Stellen f\u00fcr den Datenschutz bei PAYL-Tarifen. Zum einen zeigen sich Gesundheitstracker jedweder Form heutzutage noch kein bisschen datenschutzfreundlich. Zum anderen ist unklar, wie der Versicherer selbst mit den Daten der Versicherungsnehmer umgeht.<\/p>\n<p>Wearables wie Fitness-Armb\u00e4nder, aber auch g\u00e4ngige Gesundheits-Apps haben ein riesiges Problem: Die Daten werden in aller Regel in einer Cloud gespeichert. Nutzer m\u00fcssen meist einen Account anlegen, der bereits viele pers\u00f6nliche Informationen enth\u00e4lt: Alter, Gr\u00f6\u00dfe, Gewicht \u2013 all dies geben Nutzer bereits im ersten Schritt preis. Nun m\u00f6gen einige noch denken, dass es unproblematisch sei, solche Daten preiszugeben. Es existieren jedoch auch schon Gesundheitstracker, die auch psychische St\u00e4rken und Schw\u00e4chen erfassen. Mit all diesen Daten lassen sich sehr umfangreiche Nutzerprofile erstellen.<\/p>\n<p>Die zweite Schwachstelle sind die Versicherer selbst. Wir gehen gerade erst die ersten Schritte in der Digitalisierung. Leider muss man vielen Konzernen einen unzureichenden Datenschutz unterstellen \u2013 gerade in der Gesundheitsbranche wird immer wieder mahnend dar\u00fcber berichtet. Unter anderem <a href=\"http:\/\/e-health-com.de\/details-news\/pwc-studie-cyberattacken-sind-das-groesste-geschaeftsrisiko-im-gesundheitswesen\/fdeca06c3e09e5a2681f8241d14bd4be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zeigt beispielsweise die Studie<\/a> \u201eA new treatment? Healthcare findings from the 20<sup>th<\/sup> Annual Global CEO Survey\u201c von PricewaterhouseCoopers (PwC), dass Cyberattacken das gr\u00f6\u00dfte Gesch\u00e4ftsrisiko im Gesundheitswesen sind. Diese Studie gibt Alarmierendes preis: lediglich 48 % der Befragten wappnen sich gegen Cyberattacken!<\/p>\n<p>Drei Stufen der Sicherheit m\u00fcssen f\u00fcr den Datenschutz gegeben sein: die Endger\u00e4te-Sicherheit, also das Smartphone des Patienten. Weiter m\u00fcssen die Daten der Fitnesstracker gesch\u00fctzt werden. Und zu guter Letzt m\u00fcssen die sehr sensiblen Daten bei den Versicherungsunternehmen selbst gut aufgehoben sein. Die Gefahr, dass umfassende Nutzerprofile in falsche H\u00e4nde geraten, ist derzeit noch sehr hoch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pay as you live (kurz PAYL) beschreibt ein recht neuartiges Versicherungsmodell. Gesundheitsdaten werden digital erfasst und danach richtet sich der Versicherungsbeitrag aus. Was vielleicht recht vern\u00fcnftig klingen mag, birgt jedoch Risiken im Datenschutz. Was ist Pay as you live (PAYL)? 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