{"id":5462,"date":"2019-12-10T13:34:31","date_gmt":"2019-12-10T11:34:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/?p=5462"},"modified":"2023-01-05T12:24:06","modified_gmt":"2023-01-05T10:24:06","slug":"sprachassistenten-die-gefahren-der-alltagshelfer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/sprachassistenten-die-gefahren-der-alltagshelfer\/","title":{"rendered":"Siri, Alexa, Bixby oder Cortana Sprachassistenten: Die Gefahren der Alltagshelfer"},"content":{"rendered":"<p>Siri, Alexa oder Cortana: Smarte Lautsprecher oder Sprachassistenten k\u00f6nnen unseren Alltag ordentlich erleichtern. Sehbehinderte Menschen k\u00f6nnen sich Zeitungsartikel vorlesen lassen, Bestellungen sind z\u00fcgig per Sprachbefehl erledigt, beim Kochen wird das Rezept direkt vorgelesen. Sie sind praktisch, keine Frage. Doch insbesondere Daten- und Verbrauchersch\u00fctzer \u00fcben immer wieder Kritik an den Alltagshelfern: Gespr\u00e4che lassen sich mitschneiden, unsichere Verbindungen geben Zugriff auf angeschlossene Smartphones oder Tablets. Ist es m\u00f6glich, Sprachassistenten sicher zu nutzen? Wir haben uns auf dem aktuellen Markt umgesehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Sprachassistenten: Welche gibt es?<\/h2>\n<p>Als Sprachassistenten bezeichnet man Software, die das gesprochene Wort analysieren, in den korrekten Kontext einordnen und sogar darauf reagieren kann. Solche Sprachassistenten findet man in smarten Lautsprechern, aber auch auf dem Smartphone, Tablet oder im Auto. Auch k\u00f6nnen durch Spracheingaben Smart Home-Ger\u00e4te gesteuert werden.<\/p>\n<p>Ende 2017 <a href=\"https:\/\/www.blog.google\/products\/assistant\/how-google-home-and-google-assistant-helped-you-get-more-done-in-2017\/\">erkl\u00e4rte Google in einem Blogbeitrag<\/a>, man habe im endenden Jahr pro Sekunde mindestens einen der hauseigenen smarten Lautsprecher &#8222;Google Home&#8220; verkauft. Im selben Jahr verkaufte Amazon nur zu Weihnachten 20 Millionen Alexa-Ger\u00e4te! Nach diesem Blitzstart in 2017 versuchte auch Microsoft, die hauseigene Sprachassistentin Cortana attraktiver f\u00fcr Nutzer zu gestalten, w\u00e4hrend auch Samsung mit Bixby auf den Zug aufstieg. Auch Facebook m\u00f6chte etwas von dem Kuchen abbekommen: Ende 2018 stellte der Konzern mit <a href=\"https:\/\/portal.facebook.com\/\">Portal und Portal+<\/a> zwei smarte Lautsprecher vor, die Alexa als Basis nutzen und zus\u00e4tzlich die Videotelefonie erm\u00f6glichen, jedoch hierzulande (noch) nicht verf\u00fcgbar sind.<\/p>\n<p>Im Februar 2017 wurde eine Prognose <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/751700\/umfrage\/prognose-zum-umsatz-mit-intelligenten-lautsprechern-weltweit\/\">auf dem Statistikdienst statista.com<\/a> ver\u00f6ffentlicht, die von 1,5 Milliarden US-Dollar Umsatz mit verkauften intelligenten Lautsprechern in 2017 ausging. Bis 2022 soll sich der weltweite Gesamtumsatz auf 5,5 Milliarden US-Dollar steigern. Zu den beliebtesten Sprachassistenten geh\u00f6ren:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Amazon Alexa:<\/strong> Alexa bildet die Basis f\u00fcr die smarten Lautsprecher Amazon Echo, Echo Dot &amp; Co. Die Alexa-Software kann nahezu alles steuern: Den smarten Backofen, den smarten Saugroboter oder mit der Alexa-Car-Funktion sogar Bordcomputer-Daten.<\/li>\n<li><strong>Siri:<\/strong> Die Apple-eigene Plaudertasche nennt sich Siri. Auf dem iPhone und dem iPad l\u00e4ngst zum Standard geworden, kann Siri mittlerweile in Kombination mit Apples HomeKit Wohnungen smart machen.<\/li>\n<li><strong>Google Assistant:<\/strong> Googles Variante nennt sich &#8222;Google Assistant&#8220;; eine Sprachsoftware, die auf dem Pixel-Smartphone sowie auf den smarten Lautsprechern Google Home und Google Home Mini l\u00e4uft. Der Google Assistant l\u00e4sst sich auch auf Android-basierten Smartphones anderer Hersteller (z. B. auch Samsung) installieren. Ein manuelles Regeln des Heizthermostates wird genauso unn\u00f6tig wie das manuelle Ausschalten von Lampen. Die Aussage &#8222;Okay, Google&#8220; bzw. &#8222;Hey, Google&#8220; aktiviert den Sprachassistenten, der sich mit verschiedenen smarten Ger\u00e4ten verkn\u00fcpfen l\u00e4sst.<\/li>\n<li><strong>Cortana:<\/strong> Microsoft hat seine Sprachassistentin Cortana in Windows Phone, Windows, aber auch f\u00fcr Android- und iOS-Ger\u00e4te verf\u00fcgbar gemacht. Nicht sonderlich erfolgreich, das sieht auch Microsoft ein \u2013 <a href=\"https:\/\/t3n.de\/news\/microsoft-cortana-apps-ios-android-1222600\/\">und entschied k\u00fcrzlich<\/a>, die Cortana-Apps f\u00fcr iOS und Android einzustampfen. Auch aus dem Microsoft Launcher verschwindet der Sprachassistent wieder. Nur wenige Smart Home-Besitzer setzen auf Cortana, weshalb die F\u00e4higkeiten der Microsoft-Sprachsteuerung bez\u00fcglich der Heimautomation sehr begrenzt sind.<\/li>\n<li><strong>Bixby:<\/strong> Samsungs Sprachassistent Bixby fand auf diversen Smartphone-Modellen ein Zuhause. Samsung sieht seinen Sprachassistenten als Informationslieferant, Shopping-Berater und Smart Home-Steuerung. F\u00fcr \u00e4ltere Ger\u00e4te m\u00f6chte Samsung <a href=\"https:\/\/www.androidpit.de\/bixby-support-ende-fuer-alte-android-versionen?PageSpeed=noscript\">den Bixby-Zugriff nun abschalten<\/a>. Das ist jedoch keinesfalls das Aus f\u00fcr den Sprachassistenten, mit dem Samsung noch gro\u00dfe Pl\u00e4ne hat, wie der Konzern <a href=\"https:\/\/news.samsung.com\/de\/die-evolution-von-bixby\">in einem Blogbeitrag<\/a> verr\u00e4t.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Unterschiede der Sprachassistenten:<br \/>\nWorin unterscheiden sich Alexa, Bixby, Siri oder Cortana voneinander?<\/h2>\n<p>Das grunds\u00e4tzliche Prinzip eines Sprachassistenten ist gleich: Der Anwender spricht das Ger\u00e4t an, etwa mit &#8222;Okay, Google&#8220; oder &#8222;Alexa&#8220;. Doch im Detail unterscheiden sie sich hier und da. Nun w\u00e4re es umst\u00e4ndlich, f\u00fcr das Setzen von Terminen Cortana, f\u00fcr das Dimmen des Lichts Siri und f\u00fcr die richtige Musik Alexa anzusprechen. Wie findet man den richtigen Sprachassistenten?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ist es sinnvoll, die Funktionen der jeweiligen Anbieter mit den eigenen Bed\u00fcrfnissen abzugleichen. Setzen Sie h\u00e4ufig auf Google-Dienste, w\u00fcrde es keinen Sinn machen, Siri zu nutzen. Denn Siri setzt auf die Apple-Produkte und ist mit der Apple-ID verkn\u00fcpft. \u00c4hnliches gilt f\u00fcrs smarte Zuhause: Habt Ihr euer Ger\u00e4te mit Apples HomeKit eingerichtet, w\u00fcrde es Amazons Alexa nicht sonderlich weit bringen. Die von den Sprachassistenten eingesetzte Technik gibt also schon einen Ausblick darauf, welche f\u00fcr Euch in Frage kommt. Ebenso ist es mit den verwendeten Music Streaming-Diensten. Googles Youtube Music als Premiumdienst der Videoplattform von Youtube l\u00e4sst sich mit Bordmitteln gar nicht mit Amazons Alexa steuern. Hier favorisiert Amazon den hauseigenen Streaming-Dienst Amazon Music Unlimited. Allgemeine Streaming-Dienste wie Spotify laufen auf den Ger\u00e4ten von Google und Amazon problemlos.<\/p>\n<p>Im Internet findet Ihr verschiedene Testberichte, die bei der Wahl des richtigen Sprachassistenten f\u00fcr eure Bed\u00fcrfnisse Aufschluss geben. Netzwelt.de hat beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.netzwelt.de\/amazon-alexa\/testbericht.html\">Alexa<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.netzwelt.de\/google-assistant\/testbericht.html\">Google Assistant<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.netzwelt.de\/apple-siri\/testbericht.html\">Siri<\/a> getestet. Die Nutzung von Cortana solltet Ihr euch gut \u00fcberlegen: Wenn Microsoft nun schon offen dar\u00fcber nachdenkt, die hauseigenen Apps von den verschiedenen Ger\u00e4ten zu nehmen, scheint dieser Sprachassistent keine Zukunft zu haben. Samsung hingegen hat f\u00fcr Bixby gro\u00dfe Pl\u00e4ne, wie der oben verlinkte Samsung-Artikel aufzeigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Vorteile der Sprachassistenten<\/h2>\n<p>Sprachgest\u00fctzte Assistenzsysteme vereinfachen \u2013 grob gesagt \u2013 die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine. Die Spracheingabe erleichtert die Handhabung. So gelingt es beispielsweise, auch mit vollen H\u00e4nden das Licht ein- oder auszuschalten oder per Spracheingabe schnell etwas zu bestellen. Auf allgemeine Informationen gelingt der Zugriff schnell, aber auch das Navigieren sowie das Steuern von Multimedia-Anwendungen sind beliebte Einsatzzwecke. Die Studie <a href=\"https:\/\/www.pressebox.de\/inaktiv\/quisma-gmbh\/Sprachassistenten-auf-dem-Vormarsch-Immer-mehr-Deutsche-nutzen-ihre-Stimme-zum-Einkaufen\/boxid\/919571\">&#8222;Deutschland, deine Sprachassistenten&#8220;<\/a> zeigte bereits im August 2018, dass 40 Prozent der Sprachassistenten-Nutzer online via Sprachassistent einkauften. Weitere Ergebnisse der Studie:<\/p>\n<ul>\n<li>35 Prozent der deutschen Konsumenten sprechen regelm\u00e4\u00dfig mit Sprachassistenten.<\/li>\n<li>56 Prozent der Befragten nutzen die Stimme, um ohne Tippen pers\u00f6nliche Einkaufslisten zu erstellen.<\/li>\n<li>Die Ger\u00e4testeuerung in der K\u00fcche verwenden 73 Prozent, im Auto 72 Prozent und sogar im Schlafzimmer sprechen 60 Prozent noch mit ihrem Sprachassistenten.<\/li>\n<li>70 Prozent sehen den gr\u00f6\u00dften Vorteil darin, nicht mehr tippen zu m\u00fcssen.<\/li>\n<li>59 Prozent erfreuen sich daran, freih\u00e4ndig kommunizieren zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>49 Prozent f\u00fchlen sich in der Lage, dank Sprachassistenten gleichzeitig mehrere Dinge erledigen zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>73 Prozent nutzen den Sprachassistenten zur Wettervorhersage, 72 Prozent lassen sich Nachrichten vorlesen, 69 Prozent h\u00f6ren so Musik und 68 Prozent stellen den Wecker per Spracheingabe.<\/li>\n<li>50 Prozent der Sprachassistenten-Nutzer arbeitet mit Smart Home-Anwendungen, die Ihr per Stimme steuern k\u00f6nnt. Interessant: 60 Prozent waren erst im Besitz der Smart Home-Ger\u00e4te und erwarben anschlie\u00dfend einen Sprachassistenten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Sprachassistenten sind l\u00e4ngst nicht mehr nur im privaten Einsatz. Anwendungsbereiche finden sich auch in der Industrie:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Vorstand erfragt die Ums\u00e4tze der letzten Monate.<\/li>\n<li>Der Mechaniker bestellt \u00fcber die Sprachsteuerung Ersatzteile f\u00fcr das Maschinenmodell.<\/li>\n<li>Der Vertrieb sucht mittels Sprachassistenten den korrekten Ansprechpartner im Unternehmen.<\/li>\n<li>Der Projektmanager l\u00e4sst die gesprochenen ToDos auf die Projekt-Agenda setzen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich Sprachassistenten, die dank K\u00fcnstlicher Intelligenz (KI) dazulernen k\u00f6nnen, auch im Business durchsetzen werden. Man kennt sie bereits: Die freundlichen, oft weiblichen Computerstimmen, die durch die ersten Schritte f\u00fchren, wenn Kunden den Service erreichen m\u00f6chten. Auch in der Logistik werden Sprachassistenten bereits vielfach eingesetzt: der gesprochene Befehl erm\u00f6glicht ein freies Hantieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Kritikpunkte und die Nachteile: Sprachassistenten und die Sicherheit<\/h2>\n<p>Sprachassistenten haben binnen weniger Jahre in unseren Alltag gefunden \u2013 im privaten Umfeld genauso wie im gesch\u00e4ftlichen. Dass das viele Vorteile mit sich bringt, haben wir uns bereits angesehen. Doch auch Sprachassistenten haben ihre dunkle Seite: Von Datensch\u00fctzern, aber auch von Verbrauchersch\u00fctzern hagelte es jede Menge Kritik, die wir im Folgenden beleuchten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Betrug mit Sprachassistenten<\/h3>\n<p>Nicht jeder Nutzer kommt problemlos mit seinem Sprachassistenten zurecht. Im Idealfall steht eine Hotline bereit, unter der Fragen beantwortet werden. Betr\u00fcger haben hier eine L\u00fccke f\u00fcr sich entdeckt: Fake-Support-Hotlines, auf die arglose Kunden gelotst werden sollen. Wie das <a href=\"https:\/\/www.bbb.org\/article\/news-releases\/20523-scam-alert-using-voice-search-use-caution-when-asking-for-auto-dial\">Better Business Bureau<\/a> (BBB) berichtete, wollte ein Flugpassagier \u00fcber seinen Sprachassistenten die Nummer der Airline herausfinden, um \u00c4nderungen an seinem Flug vorzunehmen. Der Sprachassistent spuckte eine Fake-Nummer aus. Ein angeblicher Mitarbeiter versuchte sodann, dem Flugkunden eine Geschenkkarte anzudrehen \u2013 f\u00fcr 400 US-Dollar!<\/p>\n<p>In einem weiteren Beispiel ging es um einen Nutzer, der per Siri den Support f\u00fcr seinen Drucker erreichen wollte. Dieser Nutzer landete bei einem kostenfplichtigen Betr\u00fcger. Um auf Scamming, wie hier aufgezeigt, nicht hereinzufallen, ist es empfehlenswert, Hotline-Nummern tats\u00e4chlich auf der Hersteller-Website zu suchen. Manipulierte Suchergebnisse sind ein grunds\u00e4tzliches Problem bei Suchmaschinen wie Google. Auch gilt es, beim Bezahlen besondere Vorsicht walten zu lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Nutzertracking der besonderen Art<\/h3>\n<p>Blicken wir auf die Hersteller der beliebtesten Sprachassistenten \u2013 n\u00e4mlich Google und Amazon \u2013 wird schnell klar, dass man es mit Datenkraken zu tun hat. Auch der sonst so auf Datenschutz pochende Konzern Apple bildet bez\u00fcglich der Sprachassistenten leider keine Ausnahme: Es wurde bekannt, dass Mitarbeiter die Spracheingaben von Siri, Alexa sowie Google Home abh\u00f6rten und auswerteten.<\/p>\n<p>Der Hamburger Datenschutzbeauftragte <a href=\"https:\/\/www.e-recht24.de\/news\/datenschutz\/11510-verfahren-eingeleitet-google-stoppt-auswertung-von-sprachaufnahmen.html\">Johannes Caspar ist \u00fcberzeugt<\/a>: Die IT-Konzerne verletzen mit diesem Vorgehen die Pers\u00f6nlichkeitsrechte ihrer Nutzer. Caspar geht es keinesfalls darum, Abh\u00f6rvorg\u00e4nge dieser Art g\u00e4nzlich zu verbieten. Jedoch m\u00fcssen Nutzer in Einklang mit der DSGVO umfassend aufgekl\u00e4rt werden. Dazu geh\u00f6ren sehr konkrete Angaben \u00fcber das Verarbeiten der Sprachbefehle der Nutzer. Dass das Tracking in Zeiten der DSGVO einer heiklen Gratwanderung gleicht, haben wir bereits Anfang November <a href=\"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/2019\/11\/08\/cookies-co-tracking-ihrer-seitenbesucher-eine-heikle-gratwanderung\/\">in einem Artikel<\/a> aufgezeigt. Das Nutzertracking durch das Abh\u00f6ren und Auswerten von User-Eingaben hat jedoch noch mal andere Dimensionen als das Setzen eines Cookies.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Schnittstellen machen smarte Lautsprecher zur Cyberwaffe<\/h3>\n<p>Es klingt ein wenig nach Science-Fiction: Durch das Kapern von smarten Lautsprechern k\u00f6nnen Kriminelle sie dazu bringen, T\u00f6ne von sich zu geben, die bestenfalls unangenehm, schlimmstenfalls jedoch sch\u00e4dlich sein k\u00f6nnen. Einem <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/technology-49291665\">Bericht der BBC<\/a> zufolge zeigte IT-Security-Spezialist Matt Wixey, wie heimische, per WLAN oder Bluetooth verbundene smarte Lautsprecher in &#8222;L\u00e4rmwaffen&#8220; umgewandelt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nach dem Kapern der Lautsprecher sei es laut Wixey m\u00f6glich, T\u00f6ne in den Lautsprechern zu erzeugen, die &#8222;physische Sch\u00e4den erzeugen, Personen bel\u00e4stigen oder gr\u00f6\u00dfere Organisationen auf den Kopf stellen&#8220; k\u00f6nnen. Auf der Hacker-Konferenz Defcon demonstrierte Wixey, wie einfach dieser Angriff ist. Es lassen sich nicht nur h\u00f6rbare st\u00f6rende T\u00f6ne abspielen, sondern auch sch\u00e4dliche Frequenzen, die f\u00fcrs menschliche Ohr nicht wahrnehmbar sind.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber dem Magazin Wired <a href=\"https:\/\/www.wired.com\/story\/acoustic-cyberweapons-defcon\/\">erkl\u00e4rte Wixey<\/a> zudem, dass nicht nur private Ger\u00e4te angreifbar seien. Cyberkriminelle k\u00f6nnten genauso gut Lautsprecheranlagen in Stadien oder Shopping-Centern kapern und in auditive Cyberwaffen verwandeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Fremdsteuerung m\u00f6glich<\/h3>\n<p>Mit frei verk\u00e4uflichen Hilfsmitteln ist es ein Leichtes, Smart Home-Ger\u00e4te unter Fremdsteuerung zu bringen. Wie Forscher aus Japan und den USA zeigen, reagieren Sprachassistenten nicht nur auf Spracheingaben, sondern auch auf einen Laser. Man spricht dann von &#8222;Light Commands&#8220;, von Licht-Befehlen. Wie unter anderem <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2019\/11\/04\/tech\/alexa-siri-laser-attack-research\/index.html\">CNN berichtet<\/a>, nutzten die Forscher einen handels\u00fcblichen Laserpointer, au\u00dferdem eine Laserdiode sowie eine Linse und einen Verst\u00e4rker \u2013 Dinge, die f\u00fcr gute 500 Euro im Web bestellt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Forscher schossen Lichtimpulse mit dem Laserpointer direkt aufs Mikrofon der smarten Lautsprecher. Sogar aus 50 Metern Entfernung war es so m\u00f6glich, Waren online zu bestellen, Garagentore oder auch Fahrzeuge zu \u00f6ffnen. Wenngleich Fenster die Reichweite des Lasers verringern k\u00f6nnen, bieten sie keinerlei Schutz gegen diesen Hack.<\/p>\n<p>Mit einer zwar geringeren Reichweite von nur 5 \u2013 10 Metern lie\u00dfen sich auch die Sprachassistenten von Smartphones manipulieren, etwa beim Samsung Galaxy S6 oder dem iPhone XR. Die Forscher erkl\u00e4ren die Wirkweise dieses Angriffs wie folgt:<\/p>\n<p>In den meisten Sprachassistenten sind sogenannte MEMS-Mikrofone (Micro Electro Mechanical System) verbaut. Eben diese Mikrofone k\u00f6nnen Lichtsignale als Audiosignale fehlinterpretieren. Hei\u00dft: Werden die Lichtimpulse des Lasers ver\u00e4ndert, werden unterschiedliche Signale gesendet, die das Mikrofon als Befehl versteht. Tats\u00e4chliche Angriffe mit dem Light-Command-Hack sind bislang nicht bekannt. Dennoch: Stellt smarte Lautsprecher nicht so, dass diese durch das Fenster sichtbar sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Skills &amp; Actions bringen gef\u00e4hrliche Software mit<\/h3>\n<p>Die Anwendungen von Drittanbietern nennt Amazons Alexa &#8222;Skills&#8220; und Googles Home-Lautsprecher &#8222;Actions&#8220;. Anwendungen dieser Art sind beliebt, erweitern sie doch die Funktionen der Sprachassistenten um individuelle Features. Forscher des Security Research Labs fanden heraus, dass ebendiese Skills und Actions die Privatsph\u00e4re ihrer Nutzer gef\u00e4hrden k\u00f6nnen, wie <a href=\"https:\/\/www.e-recht24.de\/news\/datenschutz\/11693-alexa-und-google-home-gefahren.html\">e-recht24.de berichtet<\/a>.<\/p>\n<p>Die Forscher entwickelten eine Fake-Horoskope-App und gaben Nutzern so die M\u00f6glichkeit, ihr Horoskop per Sprachbefehl abzurufen. Auch wenn die Nutzer ihre Interaktion mit dem Sprachassistenten beendet hatten, lief die App im Hintergrund weiter \u2013 vom Nutzer unbemerkt. Zwei wesentliche Gefahren leiten die Forscher daraus ab:<\/p>\n<p>Mit der App gelingt es, User zu belauschen und die Inhalte der Gespr\u00e4che an die Server des App-Entwicklers zu schicken. Das beeintr\u00e4chtigt die Privatsph\u00e4re eines Nutzers erheblich! Die Horoskope-App ging jedoch noch einen Schritt weiter und erfragte vom Nutzer nach einer Interaktionspause das Passwort unter dem Vorwand, ein Sicherheitsupdate zu installieren. Zahlreiche User gaben per Sprachbefehl das Passwort ein und machten sich somit angreifbar.<\/p>\n<p>Der perfide Trick dahinter: Selbstredend \u00fcberpr\u00fcfen sowohl Amazon als auch Google und alle anderen Anbieter solcher Apps selbige. Cyberkriminelle k\u00f6nnten wie die Forscher vorgehen, indem sie zun\u00e4chst eine saubere Version der App abliefern, die dann in den App-Stores verf\u00fcgbar ist. Mit dem ersten Update jedoch k\u00f6nnen Phishing- und Lauschfunktionen implementiert werden, denn eine weitere Pr\u00fcfung findet offenbar nicht statt. Diesen Fakt solltet Ihr immer bedenken, unabh\u00e4ngig davon, ob Ihr euch eine App f\u00fcr euren Sprachassistenten, f\u00fcr euern Rechner oder euer Smartphone herunterladet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Tipps: Sicherheit von Sprachassistenten<\/h2>\n<p>Einerseits praktische Helfer, andererseits Wanzen im Hostentaschenformat \u2013 es ist gar nicht so einfach, die Vorteile gegen\u00fcber den Gefahren abzuw\u00e4gen. Allein die Tatsache, dass der Sprachassistent st\u00e4ndig aktiviert sein muss, um das Signalwort zu h\u00f6ren, zeigt, dass Sorgen um den Datenschutz berechtigt sind. Zu bedenken gilt es au\u00dferdem, dass nicht nur die Hersteller der Sprachassistenten selbst Daten speichern und auswerten. Auch die Entwickler der Drittanbieter-Apps sowie jene Drittanbieter, die mit der Sprachassistenz verbunden sind, sammeln Ihre Daten. Mit einigen Tipps k\u00f6nnt Ihr Sprachassistenten etwas sicherer nutzen:<\/p>\n<ul>\n<li>Datensparsamkeit: Das Prinzip der Datensparsamkeit sollte gro\u00dfe Priorit\u00e4t haben. Ihr gesunder Menschenverstand unterst\u00fctzt Euch dabei: Je h\u00e4ufiger Ihr eure Sprachassistenten verwendet und je vielf\u00e4ltiger die Einsatzbereiche sowie zus\u00e4tzlich installierte Skills oder Actions ausfallen, umso mehr Daten fallen an. Je mehr Daten anfallen, umso h\u00f6her die Wahrscheinlichkeit, dass auch sensible Daten darunter sind. Nutzt eure Sprachassistenten also bewusst f\u00fcr jene Anwendungen, die mittels Sprachunterst\u00fctzung einen echten Komfortgewinn versprechen.<\/li>\n<li>Sensible Daten meiden: Ist euer Sprachassistent aktiviert, sprecht m\u00f6glichst keine sensiblen Daten wie Kreditkartennummern aus. Deaktiviert eure smarten Lautsprecher f\u00fcr den Moment, in dem Ihr verbal mit sensiblen Daten umgeht.<\/li>\n<li>Ausschalten: Seid Ihr nicht daheim, schalten eure Sprachassistenten am besten ab.<\/li>\n<li>Platzierung: Wie bereits im Beitrag angesprochen, ist es heikel, einen smarten Lautsprecher in Fenstern\u00e4he abzustellen. Achtet darauf, eure Ger\u00e4te m\u00f6glichst nicht neben (ge\u00f6ffnete) Fenster abzustellen, um sich vor Missbrauch und Fremdzugriffen zu sch\u00fctzen.<\/li>\n<li>Kinder: Kinder sollten nicht mit den smarten Alltagshelfern allein sein. Bestellungen und nicht-jugendfreie Inhalte k\u00f6nnen per Code abgesichert werden.<\/li>\n<li>Daten l\u00f6schen: L\u00f6scht regelm\u00e4\u00dfig jene Daten, die Ihr nicht auf externen Servern wissen m\u00f6chtet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Was tun die Hersteller, um die Sicherheit ihrer Sprachassistenten zu optimieren? Leider nicht genug, wie die Vergangenheit zeigte. Der eigentliche Skandal war gar nicht unbedingt, dass Menschen zuh\u00f6ren und Interaktionen auswerteten, wenngleich dies nat\u00fcrlich auch skandal\u00f6s ist. Jedoch lie\u00dfen Amazon, Apple und Google ihre Kunden jahrelang im Unwissen dar\u00fcber. Die Beteuerung des Datenschutzes als Reaktion darauf seitens der Hersteller ist nur <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/digital\/alexa-google-datenschutz-1.4535355\">dem \u00f6ffentlichen Druck zu verdanken<\/a>, den die Enth\u00fcllungen ausgel\u00f6st hatten. Der <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/technology\/2019\/jul\/26\/apple-contractors-regularly-hear-confidential-details-on-siri-recordings\">Guardian<\/a> berichtete seinerzeit, dass auch Apple-Mitarbeiter, die die Sprachaufnahmen von Siri abh\u00f6rten, sensible und intime Aufzeichnungen zu Ohren bekamen.<\/p>\n<p>Der \u00f6ffentliche Druck und der Einsatz von Datensch\u00fctzern wie Caspar sind die wirksamsten Mittel, um die Hersteller zu einem Umdenken zu bewegen. Anders wird sich, so unsere Einsch\u00e4tzung, nicht viel tun: Daten sind Gold, und dieses Gold wird von den Herstellern smarter Lautsprecher gewollt. Es braucht Aufkl\u00e4rung, damit Nutzer wissen, worauf sie sich einlassen, und es braucht ein Pochen auf den Datenschutz, um die Hersteller wissen zu lassen, dass Nutzern ihre Privatsph\u00e4re wichtig ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Siri, Alexa oder Cortana: Smarte Lautsprecher oder Sprachassistenten k\u00f6nnen unseren Alltag ordentlich erleichtern. Sehbehinderte Menschen k\u00f6nnen sich Zeitungsartikel vorlesen lassen, Bestellungen sind z\u00fcgig per Sprachbefehl erledigt, beim Kochen wird das Rezept direkt vorgelesen. Sie sind praktisch, keine Frage. 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