{"id":5785,"date":"2021-01-15T13:53:28","date_gmt":"2021-01-15T11:53:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/?p=5785"},"modified":"2021-01-15T13:53:28","modified_gmt":"2021-01-15T11:53:28","slug":"standortdaten-richtig-schuetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/standortdaten-richtig-schuetzen\/","title":{"rendered":"Smartphone-\u00dcberwachung: Standortdaten richtig sch\u00fctzen"},"content":{"rendered":"<p>Bewegungs- oder Standortdaten tr\u00e4gt heute jeder Smartphone-Nutzer quasi in der Hosentasche mit sich: Unter dem Begriff fasst man all jene Informationen zum Lokalisieren eines Nutzers zusammen, die beim Nutzen des Mobiltelefons anfallen. Nachdem wir den Begriff der Standortdaten genauer definiert haben, zeigen wir Ihnen auf, wer wann welche Bewegungsdaten nutzt und wie Sie diese Datenerhebung einschr\u00e4nken k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Was sind Standort- und Bewegungsdaten?<\/h2>\n<p>Informationen zum Lokalisieren eines Nutzers, die durch das Verwenden von Mobiltelefonen anfallen, werden als Standortdaten zusammengefasst. Sie z\u00e4hlen in aller Regel zu den personenbezogenen Daten, da die Bewegungsdaten zusammengenommen, etwa als Bewegungsprofil &#8211; selbst mit Anonymisierung \u2013 zu einer Identifikation von bestimmten Personen f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Smartphones erlauben das sehr genaue Bestimmen eines Nutzerstandorts, wobei neben den Mobilfunknetzen auch Bluetooth, WLAN sowie GPS verwendet werden. GPS bietet dabei eine gro\u00dfe Genauigkeit, w\u00e4hrend die anderen Technologien ein ungef\u00e4hres Orten erlauben. Doch nicht nur moderne Smartphones und Tablets, sondern auch die \u00e4lteren Handy-Modelle generieren Standortdaten. Denn zum Einw\u00e4hlen ins Mobilfunknetz verbindet sich ein Handy mit einer Funkzelle, womit zwar nicht der genaue Standort bestimmt werden kann, jedoch l\u00e4sst sich bestimmen, in welcher Funkzelle sich das Handy befindet.<\/p>\n<h3>Wozu sind Standortdaten n\u00fctzlich?<\/h3>\n<p>Das wohl bekannteste Nutzungsbeispiel f\u00fcr Standortdaten ist die Navigation. Auch andere Angebote, die der Orientierung dienen, nutzen standortbezogene Dienste, also Location-based Services (LBS). So lassen sich beispielsweise POIs (\u201ePoints of interest\u201c) finden, nahegelegene Restaurants oder Tankstellen, beispielsweise. Auch f\u00fcr ortsbezogene Werbeanzeigen werden Standortdaten verwendet: So k\u00f6nnen gezielt Menschen angesprochen werden, die sich in der N\u00e4he eines f\u00fcr sie interessanten Produkts befinden.<\/p>\n<p>Werden Standort- und Bewegungsdaten mittel- bis langfristig gesammelt und ausgewertet, so wird das Ziel verfolgt, Regelm\u00e4\u00dfigkeiten beim Nutzer zu erkennen. So gelingt es, passende Vorschl\u00e4ge zu generieren und beispielsweise Werbung konkret auf die Interessen des Einzelnen zuzuschneiden.<\/p>\n<p>Hierbei stellt sich jedoch die ketzerische Frage, warum Smartphone-Nutzer beworben werden m\u00fcssen. Auch wenn Nutzer einen kostenpflichtigen Mobilfunktarif haben, nutzen Sie die g\u00e4ngigen kostenlosen Dienste von Apple, Facebook, Google &amp; Co. Die Nutzung dieser Dienste ist zwar kostenlos aber nicht &#8222;umsonst&#8220; &#8211; wir zahlen schlie\u00dflich alle mit unseren Daten.<\/p>\n<h3>Was kann an Standortdaten problematisch sein?<\/h3>\n<p>Wie Sie sehen, sind Standortdaten einerseits praktisch: in zahlreichen Situationen verhelfen sie Ihnen zu konkreten Vorschl\u00e4gen, die zu Ihren Interessen passen. Das ist \u00e4u\u00dferst bequem. Andererseits gibt es jedoch Aspekte, die die Nutzung von Standortdaten problematisch werden lassen:<\/p>\n<p>So lassen sich Standortdaten beispielsweise f\u00fcrs \u00dcberwachen einsetzen. Werden Informationen zu Ihrer Position permanent erhoben, k\u00f6nnen Sie l\u00fcckenlos lokalisiert werden. Hier bestehen Gefahren nicht unbedingt von staatlicher Stelle, sondern vor allem von Gro\u00dfkonzernen wie Facebook, Google oder auch Apple. Diese Anbieter sammeln Unmengen von Geodaten \u00fcber ihre Nutzer.<\/p>\n<p>Wenngleich diese Daten zum Auswerten anonymisiert werden, erlauben sie R\u00fcckschl\u00fcsse auf den jeweiligen Nutzer. Denn mithilfe der Standortdaten lassen sich Bewegungsprofile erstellen, die den Alltag des Nutzers spiegeln. Wurden Orte von diesem Nutzer h\u00e4ufiger aufgesucht, k\u00f6nnen diese identifiziert werden. Lassen sich hier Regelm\u00e4\u00dfigkeiten feststellen, lassen sich Aufenthalte zu voraussagbaren, k\u00fcnftigen Zeitpunkten extrapolieren.<\/p>\n<h2>Android &amp; iOS: Wer nutzt wann Bewegungsdaten?<\/h2>\n<p>Viele Apps nutzen Standortdaten wie selbstverst\u00e4ndlich, doch auch die Betriebssysteme erlauben sich Zugriffe. Konkret:<\/p>\n<h3>Android-Smartphones &amp; Google<\/h3>\n<p>Nutzen Sie ein Smartphone mit Android als Betriebssystem, senden Sie Ihre Standortdaten automatisiert zu Google. Arbeitet Ihr Smartphone mit einem anderen Betriebssystem, Sie nutzen jedoch Google Maps zur Navigation oder die Suchmaschine von Google, werden Ihre Daten ebenfalls an Google gesendet.<\/p>\n<p>Sind Sie mit Ihrem Google-Account angemeldet, haben Sie die M\u00f6glichkeit, unter <a href=\"https:\/\/myaccount.google.com\/\">\u201eMein Konto\u201c<\/a> auf \u201eDaten und Personalisierung\u201c zum \u201eStandortverlauf\u201c zu gelangen. Hier k\u00f6nnen Sie den Standortverlauf ein- oder ausschalten. Sie k\u00f6nnen die Option \u201eautomatisch l\u00f6schen\u201c aktivieren, sodass alle Aktivit\u00e4ten, die \u00e4lter als drei Monate sind, gel\u00f6scht werden. M\u00f6chten Sie Ihre bisherigen Aktivit\u00e4ten einsehen, w\u00e4hlen Sie \u201eAktivit\u00e4ten verwalten\u201c \u2013 Sie werden staunen, wo Sie schon \u00fcberall waren!<\/p>\n<p>Um Ihre Kundendaten bei Google runterzuladen, besuchen Sie <a href=\"https:\/\/takeout.google.com\">takeout.google.com<\/a>.<\/p>\n<h3>Apple iPhone und Apple Watch<\/h3>\n<p>Auch Apple sammelt Standortdaten \u2013 wo und wof\u00fcr, dar\u00fcber informiert der Konzern <a href=\"https:\/\/support.apple.com\/de-de\/HT207056\">auf seiner Website<\/a>. Apple schreibt, dass die Informationen, die Ortungsdienste sammeln, dazu dienen, \u201eeine Vielzahl standortabh\u00e4ngiger Dienste bereitzustellen. Eine App kann beispielsweise anhand deiner Standortdaten und einer ortsabh\u00e4ngigen Suchanfrage Caf\u00e9s oder Theater in deiner N\u00e4he finden. Dar\u00fcber hinaus kann das Ger\u00e4t die Zeitzone anhand deines aktuellen Standorts automatisch einstellen.\u201c<\/p>\n<p>Auch wenn iPhone-Nutzer einen Notruf t\u00e4tigen, werden Standortdaten an die Notrufdienste \u00fcbertragen \u2013 die Ortung wird in Falle eines Notrufs selbstst\u00e4ndig eingeschaltet. Wo unterst\u00fctzt, werden zus\u00e4tzlich mittels Datendienste f\u00fcr den erweiterten Notruf weitere ortsbezogene Daten zur Verf\u00fcgung gestellt. Weitere Services, bei denen auf die Standortdaten zugegriffen wird:<\/p>\n<ul>\n<li>Routen und Verkehr: Auch Apple schickt bei aktiviertem Ortungsdienst Informationen an die Server: Neben den GPS-Daten k\u00f6nnen das Reisegeschwindigkeit und Luftdruck sein.<\/li>\n<li>Wichtige Orte: Neben dem iPhone merken sich auch weitere mit iCloud verbundene Ger\u00e4te, welche Orte Sie k\u00fcrzlich besucht haben. Konkret wird erfasst, wann und wie oft Sie den Ort besucht haben, \u201eum zu lernen, welche Orte f\u00fcr dich wichtig sind\u201c, wie Apple begr\u00fcndet. Diese Daten dienen der Bereitstellung von personalisierten Diensten wie Routenvorschl\u00e4gen.<\/li>\n<li>HomeKit: Standortdaten des iPhones werden auch genutzt, um Zubeh\u00f6r zu steuern. Als Beispiel nennt Apple das automatisierte Einschalten des Lichts, wenn der Nutzer zuhause ankommt.<\/li>\n<li>Apple Pay-H\u00e4ndler-ID: Zur Verwendung der physischen Apple Card nutzt das iPhone den Standort, um H\u00e4ndlerangaben machen zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Standortdaten-Nutzung kann kritisch gesehen werden<\/h3>\n<p>Die verschiedenen Anbieter sammeln auf verschiedene Weise unfassbar viele Daten \u2013 mitunter auch \u00fcber den Wohnort, \u00fcber zu besuchende oder aufgesuchte \u00c4rzte (etwa durch die Google-Suche nach der Telefonnummer des Arztes), \u00fcber etwaige Besuchstermine, \u00fcber den Freundes- und Bekanntenkreis, den Bewegungsradius und so weiter. Wir haben Apps f\u00fcr alles M\u00f6gliche und Unm\u00f6gliche auf dem Smartphone \u2013 und diese Apps zeigen sich unfassbar kreativ darin, unsere Daten zu sammeln, zu verarbeiten, zu verbinden und insgesamt zur Profilbildung zu nutzen.<\/p>\n<p>Da sorgte der Fall des norwegischen Journalisten Martin Gundersen f\u00fcr Aufsehen: Gundersen arbeitet f\u00fcr die norwegische Rundfunkanstalt NRK und war Anfang vorigen Jahres Teil eines Teams, durch das ein Datenskandal aufgedeckt werden konnte. Wie Gundersen und Team <a href=\"https:\/\/nrkbeta.no\/2020\/12\/03\/my-phone-was-spying-on-me-so-i-tracked-down-the-surveillants\/\">dokumentiert haben<\/a>, wurden \u00fcber 8.300 Mobiltelefone w\u00e4hrend Klinik- oder Frauenhausaufenthalten von einem britischen Unternehmen geortet. Es kostete Gundersen und Team umgerechnet gerade nur 3.300 Euro, um Zugang zu den Bewegungsdaten von zehntausenden Norwegern zu erhalten. Die Bewegungen dieser zahlreichen Menschen lie\u00df sich zum Teil bis auf die Minute zur\u00fcckverfolgen.<\/p>\n<h2>Standortdaten: Datenerhebungen einschr\u00e4nken<\/h2>\n<p>Kennt man diese Faktenlage, bekommt man schnell das dringende Bed\u00fcrfnis, s\u00e4mtliche Datenerhebungen einzuschr\u00e4nken. In aller Regel funktioniert das \u00fcber die Datenschutzeinstellungen:<\/p>\n<h3>Apple: Standortdaten deaktivieren<\/h3>\n<p>Gehen Sie an Ihrem iPhone in die Einstellungen und \u00f6ffnen Sie dort den Men\u00fcpunkt Datenschutz. Klicken Sie auf \u201eOrtungsdienste\u201c, k\u00f6nnen Sie wahlweise global die Ortungsdienste deaktivieren oder den Status f\u00fcr jede App separat bestimmen.<\/p>\n<h3>Ortungsdienste bei Samsung &amp; Huawei deaktivieren<\/h3>\n<p>Per Schnelleinstellungsleiste k\u00f6nnen Sie die Ortungsdienste bei Samsung deaktivieren: Ziehen Sie die Schnelleinstellungsleiste mit zwei Fingern nach unten, tippen Sie dann auf das Standort-Symbol und deaktivieren die Einstellung so. Sie k\u00f6nnen auch die App-Berechtigungen dahingehend \u00e4ndern, dass Sie nicht mehr per GPS verfolgt werden: Gehen Sie in den Einstellungen auf Apps, klicken Sie dann die gew\u00fcnschte App an. Ein Tippen auf Berechtigungen f\u00fchrt zum Standort, den Sie hier deaktivieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bei Huawei-Ger\u00e4ten \u00f6ffnen Sie die Einstellungen, tippen dort auf Sicherheit &amp; Datenschutz, weiter auf Standortzugriff. Hier k\u00f6nnen Sie global aktivieren oder deaktivieren. M\u00f6chten Sie Ortungsdienste bei Ihrem Huawei-Ger\u00e4t aktivieren, k\u00f6nnen Sie w\u00e4hlen, ob die Ortung \u00fcber WLAN und Mobilnetzwerke, ausschlie\u00dflich via GPS oder mit GPS, WLAN und Mobilnetzwerken geschieht.<\/p>\n<h3>Grunds\u00e4tzliches zum Anonymisieren von Bewegungsdaten<\/h3>\n<p>Es kann sinnvoll sein, Bewegungsdaten einzusetzen \u2013 etwa wenn Sie sich von A nach B navigieren lassen m\u00f6chten. Wie oft Sie bei Ihrem Lieblingsb\u00e4cker einkaufen, ist hingegen eine Information, die nur Sie etwas angeht. Deshalb gilt: Aktivieren Sie die Ortung dann, wenn Sie sie ben\u00f6tigen, und deaktivieren Sie das Nutzen von Bewegungsdaten f\u00fcr unwichtige Apps.<\/p>\n<p>Nutzen Sie beim Surfen grunds\u00e4tzlich VPN, um Ihren tats\u00e4chlichen Standort verschleiern zu k\u00f6nnen, wenn dies erforderlich ist. W\u00e4hlen Sie dabei einen leistungsf\u00e4higen Anbieter, der den Datendurchsatz nicht drosselt. Verzichten Sie zudem m\u00f6glichst auf die personalisierte Suche mit Suchmaschinen. Ideal w\u00e4re eine datenschutzfreundliche Suche. Setzen Sie jedoch auf die Standard-Suche mit Google oder Bing, deaktivieren Sie die personalisierte Suche. Datenschutzfreundlichere Suchmaschinen sind z.B. <a href=\"https:\/\/duckduckgo.com\">DuckDuckGo<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.startpage.com\/\">Startpage<\/a>.<\/p>\n<h2>Standortdaten: Datenerhebung und Weitergabe oft unbekannt<\/h2>\n<p>Es ist schon erschreckend: Viele der kleinen Helferlein auf dem Smartphone spionieren den Nutzer aus und verarbeiten Standortdaten. Nutzer erfreuen sich an personalisierten Inhalten, sie machen die Verwendung in nahezu allen Bereichen bequemer. Befasst man sich jedoch intensiver mit den Standortdaten, wird schnell klar, dass das Bilden von Bewegungsprofilen keine Illusion ist, sondern von vielen Anbietern einfach umgesetzt wird. Google, Apple, Facebook &amp; Co.: Sie alle kennen uns, sie wissen, wo wir uns aufhalten und was wir dort tun. Das sollte zu denken geben.<\/p>\n<p>Zumal die Datenschutzerkl\u00e4rungen eben dieser Konzerne vollmundig versprechen, wof\u00fcr diese Personalisierung alles gut ist \u2013 der kaum fassbare Begriff \u201eServiceverbesserung\u201c f\u00e4llt hier und dort. Doch richtige Erkl\u00e4rungen dar\u00fcber, wo die gesammelten Daten eigentlich landen, gibt niemand ab. Deshalb: Lassen Sie Umsicht und Vorsicht walten. Halten Sie Ortungsdienste grunds\u00e4tzlich deaktiviert und aktivieren Sie sie bewusst, wenn Sie sie ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gender-Disclaimer:<br \/>\nZur besseren Lesbarkeit und zur Vermeidung von Gender-Sternchen verwenden wir das generische Maskulinum f\u00fcr Substantive und meinen damit alle nat\u00fcrlichen Personen unabh\u00e4ngig ihres Geschlechts.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bewegungs- oder Standortdaten tr\u00e4gt heute jeder Smartphone-Nutzer quasi in der Hosentasche mit sich: Unter dem Begriff fasst man all jene Informationen zum Lokalisieren eines Nutzers zusammen, die beim Nutzen des Mobiltelefons anfallen. 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