{"id":5792,"date":"2021-01-26T19:13:50","date_gmt":"2021-01-26T17:13:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/?p=5792"},"modified":"2021-01-26T19:13:50","modified_gmt":"2021-01-26T17:13:50","slug":"schufa-schuft-warum-die-auskunftei-ihre-daten-speichert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/schufa-schuft-warum-die-auskunftei-ihre-daten-speichert\/","title":{"rendered":"SCHUFA? Schuft! \u2013 Warum die Auskunftei Ihre Daten speichert"},"content":{"rendered":"<p>Jeder kennt sie, nahezu jeder f\u00fcrchtet sie: Die SCHUFA, Deutschlands gr\u00f6\u00dfte Wirtschaftsauskunftei. Was jedoch nicht jeder kennt, ist der genaue Umfang an Daten, den die Auskunftei \u00fcber jeden B\u00fcrger speichert. Weiter scheint undurchsichtig, wie das SCHUFA-Scoring entsteht \u2013 der Wert, der Gl\u00e4ubigern aufzeigen soll, wie es um die Bonit\u00e4t eines potenziellen Schuldners bestellt ist. Wir sorgen heute f\u00fcr etwas Durchblick und erkl\u00e4ren, was die SCHUFA warum speichern darf \u2013 oder auch nicht.<\/p>\n<h2>SCHUFA: Wie arbeitet die Auskunftei?<\/h2>\n<p>Die SCHUFA Holding AG blickt auf eine lange Geschichte zur\u00fcck: Gegr\u00fcndet im Jahre 1927 war es Ziel der Auskunftei, Unternehmen zu erm\u00f6glichen, \u201eihre Zahlungserfahrungen mit Kunden untereinander austauschen [zu k\u00f6nnen], Positivdaten wie vertragsgem\u00e4\u00df bediente Ratenzahlungen und Negativinformationen wie eventuelle Zahlungsausf\u00e4lle\u201c erfassen zu k\u00f6nnen, wie die SCHUFA <a href=\"https:\/\/www.schufa.de\/ueber-uns\/unternehmen\/so-funktioniert-schufa\/\">\u00fcber sich selbst berichtet<\/a>. Insgesamt m\u00f6chte die SCHUFA erreichen, Zahlungsausf\u00e4lle f\u00fcr Unternehmen zu minimieren. Dabei steht \u201eSCHUFA\u201c \u00fcbrigens f\u00fcr \u201eSchutzgemeinschaft f\u00fcr allgemeine Kreditsicherung\u201c.<\/p>\n<p>Nach eigenen Angaben sind derzeit Daten von 67,9 Millionen Menschen sowie zu 6 Millionen Unternehmen gespeichert. 10.000 Unternehmen gelten als Vertragspartner: Banken, Telekommunikationsunternehmen, Unternehmen, Energieversorger und weitere. Die Funktionsweise ist relativ simpel: Unternehmen machen Zahlungserfahrungen, nehmen diese auf, speichern sie und geben sie \u00fcber die SCHUFA an jene Unternehmen weiter, die als Vertragspartner gelten.<\/p>\n<h3>SCHUFA-Score: Wie funktioniert das Scoring?<\/h3>\n<p>Jede Person, deren Informationen in der SCHUFA gespeichert sind, erh\u00e4lt einen sogenannten SCHUFA-Score: Einen Wert, der f\u00fcrs Beurteilen des Zahlungsverhaltens herangezogen wird. Auf diesen Score greifen m\u00f6gliche Kreditgeber, aber auch andere Unternehmen zu, um sich vor etwaigen Zahlungsausf\u00e4llen sch\u00fctzen zu k\u00f6nnen. Je h\u00f6her der SCHUFA-Score ausf\u00e4llt, umso wei\u00dfer ist die finanzielle Weste einer Person. Werte unter 50 % entsprechen einem kritischen Risiko, bei dem die Ausfallwahrscheinlichkeit als hoch angesehen wird.<\/p>\n<p>Wie der Score konkret berechnet wird, ist ein wohlgeh\u00fctetes <a href=\"https:\/\/www.schufa.de\/ueber-uns\/daten-scoring\/scoring\/transparente-scoreverfahren\/\">Gesch\u00e4ftsgeheimnis der SCHUFA Holding AG<\/a>, richtig in die Karten gucken l\u00e4sst sich die SCHUFA also nicht. Die Auskunftei <a href=\"https:\/\/www.schufa.de\/ueber-uns\/daten-scoring\/scoring\/scoring-schufa\/\">erkl\u00e4rt zur Ermittlung des Bonit\u00e4tsscores<\/a>: \u201eJe mehr Daten zur Verf\u00fcgung stehen, desto sicherer sind die Vorhersagen. [\u2026] Bonit\u00e4tsscores, die wir zu Verbrauchern ermitteln, basieren auf den zu Ihrer Person bei der SCHUFA gespeicherten Daten, die Sie in Ihrer SCHUFA-Auskunft sehen. Zu den gespeicherten Informationen z\u00e4hlen z. B. die Anzahl und Art der Kreditaktivit\u00e4ten, etwaige Zahlungsausf\u00e4lle oder Informationen dar\u00fcber, seit wann Sie schon Erfahrungen im Umgang mit Kreditgesch\u00e4ften gesammelt haben.\u201c<\/p>\n<h2>Welche Daten speichert die SCHUFA?<\/h2>\n<p>Der SCHUFA-Score ergibt sich also aus den gespeicherten Daten. Die SCHUFA verarbeitet Personendaten, zu denen Name, Vorname, Geburtsdatum, -ort, die aktuelle sowie fr\u00fchere Anschriften geh\u00f6ren. Weiter werden Informationen gespeichert, die bei Aufnahme sowie vertragsgem\u00e4\u00dfer Durchf\u00fchrung von Gesch\u00e4ften anfallen. Hierzu k\u00f6nnen Girokonten, Kreditkarten, Ratenkredite, Telekommunikationskundenkonten, P-Konten sowie Basiskonten herangezogen werden.<\/p>\n<p>Weiter werden Informationen \u00fcber Forderungen sowie deren Erledigung gespeichert: unbestrittene Forderungen, au\u00dferdem f\u00e4llige sowie mehrfach angemahnte oder auch titulierte Forderungen. Hinzu kommen Informationen \u00fcber etwaig missbr\u00e4uchliches oder betr\u00fcgerisches Verhalten, beispielsweise Bonit\u00e4ts- oder Identit\u00e4tst\u00e4uschungen. Ebenso werden Informationen aus \u00f6ffentlichen Verzeichnissen sowie amtlichen Bekanntmachungen und die Scorewerte genutzt.<\/p>\n<p>(Noch) nicht herangezogen werden die folgenden Informationen:<\/p>\n<ul>\n<li>Einkommen sowie Verm\u00f6gen<\/li>\n<li>Daten aus dem Marketing zum Kaufverhalten oder \u00e4hnliches<\/li>\n<li>Beruf<\/li>\n<li>Nationalit\u00e4t<\/li>\n<li>Daten aus sozialen Netzwerken<\/li>\n<li>Familienstand<\/li>\n<li>Mitgliedschaften sowie Lebenseinstellungen (also Informationen zur Religion, politische Ansichten, etc.)<\/li>\n<\/ul>\n<p>All die erw\u00e4hnten Daten werden zur automatisierten Auswertung herangezogen, woraus dann \u2013 f\u00fcr Dritte nicht nachvollziehbar, da hier das Gesch\u00e4ftsgeheimnis greift, wie oben ausgef\u00fchrt \u2013 der SCHUFA Score-Wert kalkuliert wird. Das bedeutet, dass Verbraucher einem automatisierten Entscheidungsprozess unterworfen sind: Selbst bei guter Bonit\u00e4t kann es passieren, dass eine Kreditvergabe negativ entschieden wird, weil der Score nicht passt. Es entsteht also die Gefahr, dass automatisiert unangemessen entschieden, falsch bewertet und dadurch der Betroffene benachteiligt oder diskriminiert wird. Einzelfallpr\u00fcfungen durch echte Menschen w\u00e4ren hier verl\u00e4sslicher.<\/p>\n<h2>Auf welcher Grundlage speichert die SCHUFA Daten?<\/h2>\n<p>Das Risiko solcher Fehl-Bewertung soll durch die DSGVO aufgefangen werden (gesetzlicher Auskunftsanspruch nach <a href=\"https:\/\/dsgvo-gesetz.de\/art-15-dsgvo\/\">Art. 15 Abs. 1 lit h<\/a> sowie Art. 22 Abs. 1 DSGVO). <a href=\"https:\/\/dsgvo-gesetz.de\/art-22-dsgvo\/\">Art. 22 Abs. 1 DSGVO<\/a> erkl\u00e4rt: \u201eDie betroffene Person hat das Recht, nicht einer ausschlie\u00dflich auf einer automatisierten Verarbeitung \u2013 einschlie\u00dflich Profiling \u2013 beruhenden Entscheidung unterworfen zu werden, die ihr gegen\u00fcber rechtliche Wirkung entfaltet oder sie in \u00e4hnlicher Weise erheblich beeintr\u00e4chtigt.\u201c Verst\u00e4ndlicher ausgedr\u00fcckt besagt die DSGVO hier, dass Algorithmen keine wichtigen Entscheidungen f\u00fcr Betroffene treffen sollten. Abs. 2 desselben Paragrafen beschreibt jedoch Ausnahmen.<\/p>\n<p>Nun verlangt Art. 15 Abs. 1 lit h DSGVO jedoch, Betroffenen \u201eaussagekr\u00e4ftige Informationen \u00fcber die involvierte Logik sowie die Tragweite und die angestrebten Auswirkungen\u201c von Algorithmen bereitzustellen. So weit, so klar: Nur, wenn die Funktionsweise von Algorithmen offengelegt wird, kann durch unabh\u00e4ngige Kontrollen gew\u00e4hrleistet werden, dass undurchsichtige Entscheidungen durch Algorithmen \u00fcber Betroffene nicht gef\u00e4llt werden. Warum greift dieser Passus bei der SCHUFA nicht?<\/p>\n<h3>Die SCHUFA entscheidet nicht<\/h3>\n<p>Die SCHUFA selbst trifft mit ihren Algorithmen keine Entscheidungen \u00fcber Menschen. Vielmehr entscheiden jene Unternehmen, die sich nach dem Score-Wert der SCHUFA richten und diesen als Grundlage f\u00fcr eigene Entscheidungen heranziehen. Wie oben bereits ausgef\u00fchrt, greift hier das Gesch\u00e4ftsgeheimnis und nicht die DSGVO: Die SCHUFA muss ihre Score-Berechnungen nicht offenlegen.<\/p>\n<p>Auch die Unternehmen, die auf Grundlage des Scores Entscheidungen f\u00fcr Betroffene treffen, m\u00fcssen die Berechnung nicht offenlegen. Zum einen deshalb, weil auch sie dieses Gesch\u00e4ftsgeheimnis der SCHUFA nicht kennen. Zum anderen, weil lediglich eine menschliche Person zwischengeschaltet sein muss, damit der Entscheidungsprozess nicht mehr als Algorithmen-basiert angesehen wird. Die Praxis, n\u00e4mlich dass Entscheidungen meist doch auf Basis des automatisiert gefundenen Scores getroffen werden, hat mit diesen Regelungen leider wenig zu tun.<\/p>\n<h2>SCHUFA-Daten l\u00f6schen: Gar nicht so einfach<\/h2>\n<p>Zur Datenspeicherung verlangt die DSGVO \u2013 je nach Sachlage &#8211; ein berechtigtes Interesse und\/ oder die Einwilligung Betroffener. Ihnen ist es vielleicht nicht bewusst, aber auch Sie haben in die Datenspeicherung eingewilligt: Indem Sie beispielsweise einen Vertrag mit einem Unternehmen abgeschlossen haben, welches eine Bonit\u00e4tsauskunft von der SCHUFA einholt. Das gen\u00fcgt zur Einwilligung.<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen diese Einwilligung widerrufen \u2013 gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/17.html\">Art. 17 Abs. 1b) DSGVO<\/a>. Das ist jedoch eine fragliche Methode: Zum einen geben Sie Ihre Einwilligung sp\u00e4testens dann erneut, wenn Sie den n\u00e4chsten Vertrag bei einem SCHUFA-Vertragspartner unterzeichnen. Zum anderen sind keine Eintr\u00e4ge in der SCHUFA nicht unbedingt besser als Negativ-Eintr\u00e4ge. Finden potenzielle Vertragspartner keine Informationen zu Ihrer Bonit\u00e4t, k\u00f6nnen Sie das Gesch\u00e4ft eventuell nicht abschlie\u00dfen. Hinzu kommt die Tatsache, dass bei Personen, die der SCHUFA nicht bekannt sind, Geodaten anfallen k\u00f6nnen. Dann haben jene Personen mehr Gl\u00fcck bei einer Kreditanfrage, die in gehobeneren Gegenden leben. Dieses Vorgehen beschreibt die SCHUFA Holding AG <a href=\"https:\/\/www.schufa.de\/ueber-uns\/daten-scoring\/scoring\/scoring-schufa\/\">auf ihrer Website<\/a>.<\/p>\n<h3>Zweck nicht mehr vorhanden<\/h3>\n<p>Eine weitere M\u00f6glichkeit, Daten bei der SCHUFA l\u00f6schen zu lassen, ist, wenn der Zweck der Datenspeicherung nicht mehr existiert. Das Recht zur Datenl\u00f6schung ist in <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/DSGVO\/17.html\">Art. 17 DSGVO<\/a> verankert. In der Praxis ist dieses Recht bei der SCHUFA jedoch schwer durchsetzbar: Der Betroffene muss nachweisen, dass der Zweck nicht mehr vorhanden ist. Die SCHUFA findet meist Gr\u00fcnde, warum die Daten dennoch gespeichert bleiben m\u00fcssen \u2013 Gr\u00fcnde, die bislang vor Gericht oft Bestand hatten.<\/p>\n<h3>L\u00f6schung bei falschem SCHUFA-Eintrag<\/h3>\n<p>Finden Sie fehlerhafte SCHUFA-Eintr\u00e4ge in Ihrer Akte, k\u00f6nnen Sie diese sofort l\u00f6schen lassen. Dazu z\u00e4hlen neben bereits gezahlten Forderungen auch alte und nicht mehr bestehende Kontoverbindungen oder Handyvertr\u00e4ge. Nehmen Sie Kontakt zur SCHUFA auf und f\u00fcgen Sie Ihrem Schreiben einen Nachweis bei, der belegt, dass der Eintrag fehlerhaft oder erledigt ist.<\/p>\n<h2>SCHUFA: Rechtslage un\u00fcbersichtlich<\/h2>\n<p>Die SCHUFA weist jeder Person einen Score zu, der sich jedoch nur bedingt als praxistauglich zeigt: Entscheidungen werden \u00fcber Algorithmen getroffen. Durch das berechtigte Interesse und die Einwilligung Kraft Vertrag k\u00f6nnen Verbraucher dem jedoch nicht beikommen und m\u00fcssen damit leben, dass Entscheidungen \u00fcber sie durch einen Scorewert getroffen werden.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr kam die SCHUFA mit ihren Pl\u00e4nen heraus, auch <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/ndr-wdr\/schufa-111.html\">Kontoausz\u00fcge durchleuchten zu wollen<\/a>. Im Rahmen des Pilotprojekts CheckNow sollte eine dreimonatige Testphase mit Telef\u00f3nica\/ O2 gestartet werden, die jedoch schneller wieder zu Ende ging als sie anfing: Aufgrund massiver Proteste von Datensch\u00fctzern, aber auch aus Wirtschaft und Politik <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/panorama\/Telefonica-steigt-aus-Schufa-Test-aus-article22199455.html\">stieg Telef\u00f3nica aus dem Projekt aus<\/a>.<\/p>\n<p>Es sind viele, sehr viele Daten, die in den SCHUFA-Score einflie\u00dfen. Und dieser Score beeinflusst das Leben vieler Menschen massiv: Wer eine Wohnung mieten m\u00f6chte, einen Kredit oder auch nur ein neues Smartphone braucht, ist auf eine gute SCHUFA-Bewertung angewiesen. Und doch gibt es diese Intransparenz beim auswertenden Unternehmen, welches mit Projekten wie CheckNow zuweilen zu versuchen scheint, seinen Einfluss weiter zu vergr\u00f6\u00dfern. W\u00e4hrend viele aktuell darauf pochen, die DSGVO abzuschw\u00e4chen, zeigt sich hier deutlich, dass sie nicht weit genug greift: Aufgrund der Ausnahmen wird sie zum zahnlosen Tiger \u2013 zumindest, was die Transparenz der SCHUFA angeht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gender-Disclaimer:<br \/>\nZur besseren Lesbarkeit und zur Vermeidung von Gender-Sternchen verwenden wir das generische Maskulinum f\u00fcr Substantive und meinen damit alle nat\u00fcrlichen Personen unabh\u00e4ngig ihres Geschlechts.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder kennt sie, nahezu jeder f\u00fcrchtet sie: Die SCHUFA, Deutschlands gr\u00f6\u00dfte Wirtschaftsauskunftei. Was jedoch nicht jeder kennt, ist der genaue Umfang an Daten, den die Auskunftei \u00fcber jeden B\u00fcrger speichert. Weiter scheint undurchsichtig, wie das SCHUFA-Scoring entsteht \u2013 der Wert, der Gl\u00e4ubigern aufzeigen soll, wie es um die Bonit\u00e4t eines potenziellen Schuldners bestellt ist. 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