{"id":5803,"date":"2021-02-12T17:33:17","date_gmt":"2021-02-12T15:33:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/?p=5803"},"modified":"2021-02-12T17:33:17","modified_gmt":"2021-02-12T15:33:17","slug":"whatsapp-datenschutz-aenderung-der-datenschutzerklaerung-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/whatsapp-datenschutz-aenderung-der-datenschutzerklaerung-2021\/","title":{"rendered":"WhatsApp Datenschutz: \u00c4nderung der Datenschutzerkl\u00e4rung 2021"},"content":{"rendered":"<p>Der wohl prominenteste Messenger am Markt, WhatsApp, k\u00fcndigte Anfang des Jahres eine \u00c4nderung der Datenschutzerkl\u00e4rung an: Daten d\u00fcrften demnach mit der WhatsApp-Mutter Facebook geteilt werden. Nicht das erste Mal versucht der Facebook-Konzern, Daten produkt\u00fcbergreifend verf\u00fcgbar zu machen. Nachdem Datensch\u00fctzer massive Kritik an diesem Vorhaben \u00e4u\u00dferten, ruderte der Konzern zur\u00fcck. Wir zeigen Ihnen im heutigen Beitrag, was sich bei WhatsApp konkret \u00e4ndern sollte, wie dies aus datenschutzrechtlicher Sicht zu bewerten ist und welche Alternativen Sie haben.<\/p>\n<h2>Kurzer R\u00fcckblick: Eine kleine Zeitreise<\/h2>\n<p>Im Jahr 2014 gab es einen kleinen Knall: <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Facebook-schliesst-Uebernahme-von-WhatsApp-ab-2412371.html\">Facebook k\u00fcndigte an<\/a>, mit WhatsApp den damals schon popul\u00e4rsten Messenger \u00fcbernehmen zu wollen \u2013 f\u00fcr sagenhafte 21,8 Milliarden US-Dollar. Tats\u00e4chlich wurden 4,59 Milliarden Dollar \u00fcberwiesen und die restliche Summe in Bezugsrechten und Facebook-Aktien ausbezahlt, sodass man eher von einer Fusion als von einer \u00dcbernahme sprechen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Dennoch: Schon seinerzeit bangten WhatsApp-User, inwieweit ihre Daten k\u00fcnftig mit der Datenkrake Facebook geteilt werden sollten. WhatsApp behielt sich seinerzeit tats\u00e4chlich vor, Nutzerdaten an seinen neuen Mutterkonzern weiterzugeben. Doch schon damals brach ein Sturm der Entr\u00fcstung \u00fcber das neue Team WhatsApp \u2013 Facebook her und der Konzern lenkte ein. Wiederholt sicherte der Konzern zu, WhatsApp werde unabh\u00e4ngig von Facebook bestehen und man werde die Dienste nicht mischen.<\/p>\n<p>2016 unternahm der Facebook-Konzern <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/WhatsApp-und-Facebook-werden-verzahnt-ein-wenig-3305057.html\">einen weiteren Anlauf<\/a>: Man plante, die AGB dahingehend zu \u00e4ndern, allen zu Facebook geh\u00f6renden Konzernen (also auch Instagram und WhatsApp) Nutzerdaten zu \u00fcbermitteln, mitunter die Telefonnummer sowie Metadaten. Ziel der Verzahnung war es, Nutzern durch Abgleichen der Telefonnummer relevantere Facebook-Werbung anzeigen zu k\u00f6nnen. Wer nicht mit der AGB-\u00c4nderung einverstanden war, durfte gehen \u2013 die Daten\u00fcbermittlung der Telefonnummer zumindest lie\u00df sich nicht verhindern.<\/p>\n<h2>\u00c4nderung der Datenschutzerkl\u00e4rung von WhatsApp<\/h2>\n<p>Mit Beginn dieses Jahres k\u00fcndigte WhatsApp eine \u00c4nderung der Nutzungsbedingungen an. In den Neuerungen wird vorrangig geregelt, wie Daten an den Facebook-Konzern gehen und dieser sie nutzen darf. Zu lesen war: \u201eWhatsApp arbeitet auch mit den anderen Facebook-Unternehmen zusammen und teilt Informationen mit diesen, damit sie uns dabei helfen k\u00f6nnen, unsere Dienste zu betreiben [\u2026] und zu vermarkten.\u201c<\/p>\n<p>Das ist nichts Neues, seit 2016 wurden WhatsApp und Facebook miteinander verzahnt und seit 2018 hie\u00df es, dass WhatsApp Informationen von Facebook-Unternehmen erhalten sowie mit diesen teilen kann. Die europ\u00e4ische Version der neuen Datenschutzerkl\u00e4rung zeigt, dass der Mutterkonzern keine Profildaten aus WhatsApp erh\u00e4lt, um mit ihnen die Facebook-Werbung zu optimieren: \u201eKeine der Informationen, die WhatsApp auf dieser Grundlage weitergibt, d\u00fcrfen f\u00fcr die eigenen Zwecke der Facebook-Unternehmen verwendet werden\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/apps\/whatsapp-nutzungsbedingungen-viel-wirbel-um-die-neuen-richtlinien-a-aca139f2-2c5c-43d1-ac88-d47ec18a000a\">Dem Spiegel gegen\u00fcber \u00e4u\u00dferte ein WhatsApp-Sprecher deutlich<\/a>, dass keinerlei Nutzerdaten aus dem europ\u00e4ischen Raum mit Facebook geteilt werden, um mithilfe dieser Informationen Anzeigen zu optimieren. Tats\u00e4chlich unterscheiden sich die Datenschutzbestimmungen jener <a href=\"https:\/\/www.whatsapp.com\/legal\/updates\/privacy-policy-eea?_fb_noscript=1\">Nutzer in Europa<\/a> deutlich von <a href=\"https:\/\/www.whatsapp.com\/legal\/updates\/privacy-policy?_fb_noscript=1\">denen f\u00fcr den Rest der Welt<\/a>: Bislang konnten sich Nutzer au\u00dferhalb Europas dagegen aussprechen, dass Nutzerinformationen zu Werbezwecken mit Facebook geteilt werden. Diese Option entf\u00e4llt nun. F\u00fcr europ\u00e4ische Nutzer \u00e4ndert sich also nicht viel, f\u00fcr alle anderen sehr wohl: Sie verlieren ihr Wahlrecht, ob die eigenen Daten f\u00fcr Facebook-Werbung genutzt werden d\u00fcrfen oder nicht.<\/p>\n<h2>Die rechtliche Seite: Auf welcher Grundlage arbeitet WhatsApp?<\/h2>\n<p>Bis ins Jahr 2016 betraf die Datenweitergabe Nutzer auf der ganzen Welt. Die Klagen von Datensch\u00fctzern setzten dem Konzern jedoch soweit zu, dass er einlenkte und die Weitergabe der Daten europ\u00e4ischer Nutzer einstellte, w\u00e4hrend das Daten-Teilen f\u00fcr Nicht-EU-B\u00fcrger munter weiterging. Im Jahr 2018, dem offiziellen Geburtsjahr der DSGVO, erkl\u00e4rte WhatsApp, dass Datenweitergaben ausschlie\u00dflich legal im Rahmen der DSGVO geschehen w\u00fcrden. Deshalb teilt WhatsApp mit Facebook bei europ\u00e4ischen Nutzern einerseits die Nutzer-Telefonnummer, andererseits auch Nutzungsstatistiken des Messengerdiensts.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2018 \u2013 kurz vor Inkrafttreten der DSGVO \u2013 best\u00e4tigte das Oberverwaltungsgericht Hamburg, dass Facebook die WhatsApp-Daten nicht europ\u00e4ischer Nutzer nicht verwenden darf. Gem\u00e4\u00df der DSGVO darf WhatsApp pers\u00f6nliche Nutzerdaten nicht ohne Einwilligung des Nutzers weitergeben. Hei\u00dft: Willigt ein Nutzer der Datenweitergabe nicht aktiv ein, d\u00fcrfen WhatsApp-Daten nicht geteilt werden. Au\u00dferdem w\u00e4re ein Zwingen des Nutzers zum Datenaustausch ebenfalls nicht mit der DSGVO vereinbar. Dieser Zwang existiert f\u00fcr Nutzer au\u00dferhalb der EU: Entweder, sie stimmen dem Datenaustausch zu oder sie d\u00fcrfen den Messenger nicht mehr nutzen.<\/p>\n<h2>WhatsApp ger\u00e4t unter Druck \u2013 und verschiebt \u00c4nderungen<\/h2>\n<p>Mehrfach betonte WhatsApp, dass sich f\u00fcr Nutzer aus der EU keine \u00c4nderungen ergeben, doch Kritiker sehen die Aussagen des Konzerns als widerspr\u00fcchlich: In den EU-Nutzungsbestimmungen finden sich durchaus diverse Hinweise, die auf einen Datenaustausch zwischen WhatsApp und Facebook schlie\u00dfen lassen.<\/p>\n<p>So erkl\u00e4rt man die Gr\u00fcnde des Datenaustauschs damit, dass die Daten \u201euns dabei helfen k\u00f6nnen, unsere Dienste zu betreiben, bereitzustellen, zu verbessern, zu verstehen, anzupassen, zu unterst\u00fctzen und zu vermarkten.\u201c Zus\u00e4tzlich gibt es die oben bereits beschriebene Einschr\u00e4nkung: Daten d\u00fcrften nicht f\u00fcr \u201eeigene Zwecke der Facebook-Unternehmen\u201c genutzt werden. Jedoch ohne zu erkl\u00e4ren, was \u201eeigene Zwecke\u201c sein k\u00f6nnten. Wenngleich WhatsApp also betont, dass f\u00fcr EU-Nutzer alles beim Alten bliebe, verwirrt der Konzern mit derartigen Passagen, denen zugestimmt werden muss, m\u00f6chte man den Messenger weiter nutzen.<\/p>\n<p>Viele WhatsApp-Nutzer nahmen diese verwirrenden \u00c4nderungen zum Anlass, den Messenger zu wechseln. Das und die massive Kritik von Datensch\u00fctzern f\u00fchrte dazu, dass WhatsApp selbst etwas zur\u00fcckruderte: Man verschob die Datenschutz\u00e4nderung von Februar auf Mai.<\/p>\n<h3>Messenger wechseln: Signal &amp; Threema profitieren<\/h3>\n<p>Signal und Threema sind die gro\u00dfen Gewinner des WhatsApp-Nutzerschwundes, der der Ank\u00fcndigung der neuen Datenschutzregeln folgte: Wie Signal <a href=\"https:\/\/twitter.com\/signalapp\/status\/1349577579091566592\">am 14. Januar twitterte<\/a>, \u00fcberschlugen sich die Downloadzahlen. Funfact: Kryptograf Moxie Marlinspike ist nicht nur Signal-Gr\u00fcnder, sondern entwickelte auch die Verschl\u00fcsselung f\u00fcr WhatsApp. Signal punktet mit Ende-zu-Ende-Verschl\u00fcsselung, einem offenen Quellcode und guter Funktionalit\u00e4t, die sich nicht hinter der von WhatsApp verstecken braucht.<\/p>\n<p>Auch der Schweizer Messenger Threema freut sich \u00fcber Zuwachs: <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ThreemaApp\/status\/1347878354477834241\">Das Team twitterte<\/a>, dass die \u201eDownloads in die H\u00f6he schie\u00dfen\u201c. Auch Threema verschl\u00fcsselt Ende-zu-Ende und ist mittlerweile quelloffen. Zwar werden einmalig Download-Geb\u00fchren f\u00e4llig, jedoch zahlen Nutzer nicht mit ihren Daten: Die Angabe etwaiger Daten ist bei Threema absolut unn\u00f6tig.<\/p>\n<p>Schon in unserem gro\u00dfen Messengertest geh\u00f6rten Threema und Signal zu den Gewinnern \u2013 Signal schaffte es seinerzeit nur auf Platz 4, hat sich aber in den letzten Jahren weiterentwickelt. Werfen Sie gerne einen Blick in unser <a href=\"https:\/\/www.psw-group.de\/blog\/messengerrevival2016-das-fazit\/3573\">MessengerRevival<\/a>, behalten Sie dabei jedoch bitte im Hinterkopf, dass unsere Testberichte aus 2016 nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen. Sowohl bei Threema als auch bei Signal gab es in den letzten Jahren \u00c4nderungen \u2013 jedoch keine, die den Datenschutz schw\u00e4chten, sondern welche, die die Funktionalit\u00e4t sowie Sicherheit erh\u00f6hen.<\/p>\n<h2>WhatsApp Datenschutz-\u00c4nderungen: erst nachdenken, dann handeln<\/h2>\n<p>WhatsApp hat sich sehr ungeschickt angestellt: Eigentlich \u00e4ndert sich \u2013 zumindest f\u00fcr europ\u00e4ische Nutzer \u2013 nicht viel. Jedoch wurde ungeschickt, weil teilweise widerspr\u00fcchlich kommuniziert, sodass viele Nutzer weitergezogen sind. Die gro\u00dfen Gewinner sind Signal, Threema und Telegram. WhatsApp sollte seine Kommunikation diesbez\u00fcglich \u00fcberdenken, und vielleicht die Datenschutz\u00e4nderungen f\u00fcr Nicht-EUler ebenfalls, denn diese haben k\u00fcnftig keine Wahlm\u00f6glichkeit mehr, ob sie ihre Daten beim Mutterkonzern Facebook wissen wollen oder nicht.<\/p>\n<p>Wenngleich alternative Messenger gro\u00dfen Aufwind durch die Ungeschicktheit von WhatsApps Kommunikation bekommen haben: Die gro\u00dfe Masse ist und bleibt WhatsApp treu &#8211; der Netzwerk-Effekt bei WhatsApp ist gigantisch! Tats\u00e4chlich macht der Wechsel des Messengers nur Sinn, wenn Kommunikationspartner ebenfalls auf Alternativen zu WhatsApp setzen. WhatsApp selbst hat durch seine ungeschickt kommunizierte Datenschutz\u00e4nderung selbst daf\u00fcr gesorgt, dass alternative Messenger \u00fcberhaupt eine Chance haben, auf einigen Smartphones zu landen. Nutzen Sie also die Gelegenheit \u2013 kl\u00e4ren Sie Freunde und Bekannte auf, wenn Sie eine Alternative zu WhatsApp nutzen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gender-Disclaimer:<br \/>\nZur besseren Lesbarkeit und zur Vermeidung von Gender-Sternchen verwenden wir das generische Maskulinum f\u00fcr Substantive und meinen damit alle nat\u00fcrlichen Personen unabh\u00e4ngig ihres Geschlechts.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der wohl prominenteste Messenger am Markt, WhatsApp, k\u00fcndigte Anfang des Jahres eine \u00c4nderung der Datenschutzerkl\u00e4rung an: Daten d\u00fcrften demnach mit der WhatsApp-Mutter Facebook geteilt werden. Nicht das erste Mal versucht der Facebook-Konzern, Daten produkt\u00fcbergreifend verf\u00fcgbar zu machen. Nachdem Datensch\u00fctzer massive Kritik an diesem Vorhaben \u00e4u\u00dferten, ruderte der Konzern zur\u00fcck. Wir zeigen Ihnen im heutigen Beitrag, &hellip; <\/p>\n<p class=\"read-more\"><a class=\"btn btn-default\" href=\"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/whatsapp-datenschutz-aenderung-der-datenschutzerklaerung-2021\/\"> Mehr Lesen<span class=\"screen-reader-text\">  Mehr Lesen<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":5808,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[111,1],"tags":[3,139,6],"class_list":["post-5803","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-datenschutz","category-informationssicherheit","tag-datenschutz","tag-eu-dsgvo","tag-personenbezogene-daten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5803","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5803"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5803\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5812,"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5803\/revisions\/5812"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5808"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5803"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5803"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5803"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}