{"id":5936,"date":"2021-08-12T09:44:08","date_gmt":"2021-08-12T07:44:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/?p=5936"},"modified":"2021-08-27T15:11:00","modified_gmt":"2021-08-27T13:11:00","slug":"datenschutz-strafe-amazon-mit-746-millionen-euro-bussgeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/datenschutz-strafe-amazon-mit-746-millionen-euro-bussgeld\/","title":{"rendered":"Datenschutz-Strafe: Amazon mit 746 Millionen Euro Bu\u00dfgeld"},"content":{"rendered":"<p>Wie viele Tech-Konzerne ist auch der Online-H\u00e4ndler Amazon daf\u00fcr bekannt, gigantische Datenmengen ihrer Kundschaft sowie von Partnern zu sammeln. Jedoch gelten eben auch f\u00fcr solche Konzerne Regeln, mitunter die europ\u00e4ische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Zuwiderhandlungen werden teuer, was nun auch Amazon zu sp\u00fcren bekommt: Der Versandriese soll 746 Millionen Euro als Datenschutz-Strafe zahlen. Was den Ansto\u00df f\u00fcr diese Rekordstrafe gab und wie Amazon reagiert, erfahren Sie im heutigen Beitrag.<\/p>\n<h2>Amazon muss Datenschutz-Bu\u00dfgeld zahlen<\/h2>\n<p>Amazon, der weltweit gr\u00f6\u00dfte Online-H\u00e4ndler, wei\u00df enorm viel \u00fcber Kunden und Partner: Ob unabh\u00e4ngige Handelnde ihre Waren \u00fcber Amazon Marketplace feilbieten oder Kunden ihre Surf- sowie Kaufhistorie einsehen \u2013 Amazon hat einen gigantischen Datenschatz aufgebaut. Wie j\u00fcngst bekannt wurde, wird nun gegen Amazon die bislang h\u00f6chste Datenschutz-Strafe seit Anbeginn der DSGVO-\u00c4ra verh\u00e4ngt: Sagenhafte 746 Millionen Euro empfindet die Luxemburger Datenschutzbeh\u00f6rde als Datenschutz-Bu\u00dfgeld angemessen.<\/p>\n<p>Die Luxemburger Nationale Kommission f\u00fcr den Datenschutz (Commission Nationale pour la Protection des Donn\u00e9es; CNPD) verh\u00e4ngte das Datenschutz-Bu\u00dfgeld am 16. Juli 2021. Das wurde im <a href=\"https:\/\/www.sec.gov\/ix?doc=\/Archives\/edgar\/data\/1018724\/000101872421000020\/amzn-20210630.htm#i5986f88ea1e04d5c91ff09fed8d716f0_7\">Quartalsbericht des Online-H\u00e4ndlers<\/a> sichtbar, den Amazon j\u00fcngst ver\u00f6ffentlichte. Kurz danach <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2021-07-30\/amazon-given-record-888-million-eu-fine-for-data-privacy-breach\">berichtete Bloomberg<\/a> von der Datenschutz-Strafe gegen Amazon.<\/p>\n<h2>Wie kam es zum Datenschutz-Bu\u00dfgeld in Rekordh\u00f6he?<\/h2>\n<p>Die luxemburgische CNPD begr\u00fcndet das Verh\u00e4ngen der Datenschutz-Strafe in Rekordh\u00f6he mit Verst\u00f6\u00dfen gegen die europ\u00e4ische Datenschutz-Grundverordnung. Die Beh\u00f6rde zeigte sich zust\u00e4ndig, weil Amazon als EU-Sitz Luxemburg ausgew\u00e4hlt hat. Konkret richtet sich das Datenschutz-Bu\u00dfgeld gegen das Amazon-eigene Targeting:<\/p>\n<p>Amazon spielt personalisierte Werbung aus, um Kunden von weiteren Produkten zu \u00fcberzeugen. An sich freuen sich Kundinnen und Kunden \u00fcber Empfehlungen zu ihren Interessen. Problematisch ist dabei, dass Amazon nicht nur auf den eigenen, sondern auch auf Drittseiten Daten in gro\u00dfem Stil sammelt, damit Nutzende dann zugeschnittene Werbung sehen und ihren Einkauf vergr\u00f6\u00dfern. Bei anderen Einkaufsplattformen und digitalen Diensten kann man derartige Empfehlungen oft deaktivieren.<\/p>\n<h3>Massenbeschwerde direkt nach DSGVO-Start<\/h3>\n<p>Die CNPD schweigt sich derzeit noch aus, sodass relevante Details zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht g\u00e4nzlich gekl\u00e4rt sind. Jedoch erkl\u00e4rte die franz\u00f6sische NGO La Quadrature du Net <a href=\"https:\/\/www.laquadrature.net\/2021\/07\/30\/amende-de-746-millions-deuros-contre-amazon-suite-a-nos-plaintes-collectives\/\">in einem Blogbeitrag<\/a>, dass \u00fcber zehntausend Unterst\u00fctzende die Massenbeschwerde direkt nach dem Start der DSGVO im Mai 2018 eingereicht haben. Offenbar geht das Datenschutz-Bu\u00dfgeld auf diese Beschwerde zur\u00fcck.<\/p>\n<h2>Stimmen zum Datenschutz-Bu\u00dfgeld gegen Amazon<\/h2>\n<p>Wie ein Amazon-Sprecher gegen\u00fcber der Deutschen Presseagentur dpa \u00e4u\u00dferte, sieht der Konzern seinerseits keinerlei Vers\u00e4umnisse. Man m\u00f6chte sogar gegen die Strafe vorgehen: \u201eEs gab keine Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten, und es wurden keine Kundendaten an Dritte preisgegeben\u201c, hie\u00df es. Und weiter: \u201eIm Hinblick darauf, wie wir Kund:innen relevante Werbung anzeigen, beruht diese Entscheidung der CNPD auf subjektiven und ungepr\u00fcften Auslegungen des europ\u00e4ischen Datenschutzrechts, und die beabsichtigte Geldbu\u00dfe steht selbst bei dieser Auslegung in \u00fcberhaupt keinem Verh\u00e4ltnis.\u201c Amazon erkennt seinerseits also kein Fehlverhalten, sodass der Konzern ank\u00fcndigte, in Berufung gehen zu wollen.<\/p>\n<p>Dass das die Beschwerde-einreichende NGO La Quadratur du Net anders sieht, versteht sich von selbst: \u201eAmazons Reaktion auf diese historische Sanktion besteht darin, sich bei Bloomberg zu beschweren und vorzugeben, nicht zu verstehen, worum es geht: &#8218;Es gab keine Datenschutzverletzung, und es wurden keine Kundendaten an Dritte weitergegeben&#8216;. Zu Recht: Es ist das System der gezielten Werbung selbst und nicht nur gelegentliche Sicherheitsverletzungen, die unsere rechtlichen Schritte angegriffen haben. Diese historische Geldstrafe trifft direkt ins Herz des Raubtiersystems von Big Tech und sollte als solches gefeiert werden.\u201c<\/p>\n<p>Wird das Datenschutz-Bu\u00dfgeld gegen Amazon vom Gericht best\u00e4tigt, w\u00fcrde es sich um eine absolute Rekordsumme handeln. Bislang belief sich die h\u00f6chste Datenschutz-Strafe auf 50 Millionen Euro; dabei wandte sich die franz\u00f6sische Datenschutzbeh\u00f6rde gegen Google. Gegen die Hotelkette Mariott wurde zwar ein Datenschutz-Bu\u00dfgeld von urspr\u00fcnglich 110 Millionen Euro verh\u00e4ngt, jedoch wurde dieses Bu\u00dfgeld auf 20 Millionen Euro reduziert. Wie diese Reduktion zustande kam und welche Strafen in 2020 noch verh\u00e4ngt wurden, k\u00f6nnen Sie in unserem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/2021\/04\/27\/dsgvo-bussgelder-in-anzahl-hoehe-deutlich-gestiegen\/\">\u201eDSGVO: Bu\u00dfgelder in Anzahl &amp; H\u00f6he deutlich gestiegen\u201c<\/a> nachlesen. In diesem Beitrag lesen Sie auch \u00fcber die Datenschutz-Strafe, die H&amp;M aufgrund der \u00dcberwachung der eigenen Mitarbeiter zahlen musste und die mit 35 Millionen Euro hierzulande das h\u00f6chste Bu\u00dfgeld bislang war.<\/p>\n<h3>Amazon: Datenschutz-Bu\u00dfgeld nicht ausgereizt<\/h3>\n<p>Tats\u00e4chlich w\u00e4re eine noch h\u00f6here Datenschutz-Strafe gegen Amazon m\u00f6glich gewesen: Die DSGVO sieht Sanktionen von bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes vor \u2013 je nachdem, was h\u00f6her ausf\u00e4llt. Bei einem Jahresumsatz von 386,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 h\u00e4tte die Datenschutz-Strafe durchaus 12,96 Milliarden Euro hoch sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie in Deutschland Datenschutz-Bu\u00dfgelder bemessen werden, hat die Datenschutzkonferenz (Konferenz der unabh\u00e4ngigen Datenschutzaufsichtsbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder) in einem <a href=\"https:\/\/www.datenschutzkonferenz-online.de\/media\/ah\/20191016_bu%C3%9Fgeldkonzept.pdf\">Bu\u00dfgeldbemessungskonzept<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<h2>Datenschutz-Strafe: Beh\u00f6rde setzt Zeichen f\u00fcr konsequentes Handeln<\/h2>\n<p>Nachdem sich die Datenschutz-Beh\u00f6rden in den Jahren 2018 und 2019 durchaus noch zur\u00fcckgehalten haben mit ihren Datenschutz-Strafen, weht seit 2020 ein anderer Wind: Sp\u00e4testens da sollte die DSGVO gemeinhin umgesetzt sein. Wenngleich damit eine Beschwerde aus 2018 behandelt wurde, setzt die luxemburgische CNPD mit dieser Rekordstrafe ein Zeichen: Der Kuschelkurs ist vorbei, die EU-Datenschutzbeh\u00f6rden greifen h\u00e4rter durch.<\/p>\n<p>Der Ausgang der Bu\u00dfgeldsache ist dennoch unklar. Immerhin schweigt sich die Beh\u00f6rde bislang aus und Amazon m\u00f6chte gegen die Entscheidung vorgehen. Verschleppungen kennt man auch schon von anderen F\u00e4llen: Die Strafe, die die franz\u00f6sische Beh\u00f6rde 2019 gegen Google verh\u00e4ngt hatte, wurde erst ein Jahr sp\u00e4ter rechtskr\u00e4ftig. Der gesamte Prozess des aktuellen Falls k\u00f6nnte sich also noch l\u00e4nger ziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie viele Tech-Konzerne ist auch der Online-H\u00e4ndler Amazon daf\u00fcr bekannt, gigantische Datenmengen ihrer Kundschaft sowie von Partnern zu sammeln. Jedoch gelten eben auch f\u00fcr solche Konzerne Regeln, mitunter die europ\u00e4ische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Zuwiderhandlungen werden teuer, was nun auch Amazon zu sp\u00fcren bekommt: Der Versandriese soll 746 Millionen Euro als Datenschutz-Strafe zahlen. Was den Ansto\u00df f\u00fcr &hellip; <\/p>\n<p class=\"read-more\"><a class=\"btn btn-default\" href=\"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/datenschutz-strafe-amazon-mit-746-millionen-euro-bussgeld\/\"> Mehr Lesen<span class=\"screen-reader-text\">  Mehr Lesen<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":5939,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[111,46],"tags":[],"class_list":["post-5936","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-datenschutz","category-rechtliches"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5936","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5936"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5936\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5946,"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5936\/revisions\/5946"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5939"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5936"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5936"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5936"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}