{"id":6030,"date":"2021-12-15T20:55:42","date_gmt":"2021-12-15T18:55:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/?p=6030"},"modified":"2021-12-15T20:55:42","modified_gmt":"2021-12-15T18:55:42","slug":"data-governance-act-kommt-der-datenaltruismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/data-governance-act-kommt-der-datenaltruismus\/","title":{"rendered":"Data Governance Act: Kommt der Datenaltruismus?"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem sich die EU-Mitgliedstaaten und das EU-Parlament mit dem Data Governance Act auf eine neue Verordnung zum Datenhandel in der EU geeinigt haben, wagt man sich an eine Gratwanderung: Einerseits m\u00f6chte man sensible Daten leicht teilen k\u00f6nnen, andererseits dabei jedoch auch die Grundrechte sch\u00fctzen. Wie dieser Spagat gelingen will, welche Inhalte und Ziele der Data Governance Act verfolgt und welche Kritiken europ\u00e4ische Datensch\u00fctzer \u00fcben, dar\u00fcber berichten wir im heutigen Beitrag.<\/p>\n<h2>Data Governance Act \u2013 wie kam es dazu?<\/h2>\n<p>Die Digitalisierung nimmt unaufh\u00f6rlich ihren Weg \u2013 was sich auch an der weltweiten Datenmenge ablesen l\u00e4sst. Wie das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Klimaschutz <a href=\"https:\/\/www.bmwi.de\/Redaktion\/DE\/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolitik\/2020\/09\/kapitel-1-7-auf-einen-blick.html\">im August 2020 berichtete<\/a>, \u201eerreichte das gesch\u00e4tzte weltweite Datenvolumen [im Jahre 2020] eine schwer vorstellbare Menge von \u00fcber 50 Zetabyte (das entspricht \u00fcber 50 Billionen Gigabyte\u201c. Diese gigantische Menge an Daten soll bis ins Jahre 2025 auf unvorstellbare 175 Zetabyte ansteigen.<\/p>\n<p>Daten spielen eine immer entscheidendere Rolle \u2013 gerade wenn man Zukunftstechnologien wie das Internet of Things (IoT) oder K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) betrachtet. Neben den Mengen an Daten gilt es hier jedoch noch weiteres zu bedenken: Die Vernetzung unter den Ger\u00e4ten sowie die Verf\u00fcgbarkeit relevanter Daten.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese drei relevanten Punkte \u2013 die Datenmengen, die Vernetzung und die Datenverf\u00fcgbarkeit \u2013 m\u00f6chte die EU einen Rechtsrahmen erreichen. Daf\u00fcr wurde Ende November 2020 der <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/de\/ip_20_2102\">Data Governance Act vorgeschlagen<\/a>, der den Handel mit Daten innerhalb der Europ\u00e4ischen Union regeln soll. Das Ziel ist klar: Daten sollen zwischen Privatpersonen, dem \u00f6ffentlichen Sektor und Unternehmen ausgetauscht und verf\u00fcgbar gemacht werden. Die EU m\u00f6chte einen \u201evertrauensvollen Datenaltruismus\u201c einf\u00fchren; die Bereitschaft, Daten zu teilen, soll in der \u00f6ffentlichen Verwaltung, in Firmen und bei privaten Individuen gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n<h3>Data Governance Act: Inhalt und zentrale Aspekte<\/h3>\n<p>Als Teil der EU-Digitalstrategie <a href=\"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/2021\/10\/22\/digitale-dekade-europas-weg-ins-digitale-zeitalter\/\">\u201eDigitale Dekade\u201c<\/a> soll der Data Governance Act wesentlich zur Digitalisierung der Europ\u00e4ischen Union beitragen. Man m\u00f6chte das Potenzial, das die st\u00e4ndig wachsenden Datenmengen mit sich bringen, voll aussch\u00f6pfen und so einen \u201ereibungslosen Markt f\u00fcr Daten\u201c organisieren. Zum Umsetzen dieses ambitionierten Ziels sollen Individuen motiviert werden, Daten verschiedener Art nach EU-Regeln auf neutralen Marktpl\u00e4tzen zu teilen. So erhofft man sich beispielsweise von Agrar- und Umweltdaten Fortschritte im Bereich des Klimawandels oder von Gesundheitsdaten Fortschritte in der Pandemiebek\u00e4mpfung. Daten dieser Art sollen effizienter als bislang genutzt und sinnvoll verkn\u00fcpft werden.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Kommission hat mit dem Data Governance Act den Grundstein zum Schaffen eines europ\u00e4ischen Datenaustauschmodells gelegt. Um etwa eine bessere Entwicklung von Zukunftstechnologien wie KI zu f\u00f6rdern, wird der Datenaustausch \u00fcber Branchen- und L\u00e4ndergrenzen hinweg geplant. Aus diesen Aspekten des Data Governance Act lassen sich zentrale Ziele ableiten:<\/p>\n<ul>\n<li>Das Vertrauen ins gemeinsame Nutzen von Daten soll gest\u00e4rkt werden,<\/li>\n<li>neue Vorschriften sollen das Verhalten auf Datenmarktpl\u00e4tzen regeln,<\/li>\n<li>die Wiederverwendbarkeit einiger Informationen im \u00f6ffentlichen Sektor soll erleichtert und<\/li>\n<li>dadurch bisher nicht ausgesch\u00f6pftes Potenzial von Zukunftstechnologien besser genutzt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der \u201eDatenaltruismus\u201c, den die EU anstrebt, bezieht sich auf Daten \u2013 beispielsweise Gesundheits- oder Mobilit\u00e4tsdaten \u2013, die f\u00fcr nichtkommerzielle Zwecke kostenfrei zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Davon verspricht man sich, dass die Gesellschaft als Ganzes profitiert \u2013 etwa in Fragen des Klimawandels. Die EU betonte bei der Vorstellung des Data Governance Acts im Jahr 2020 den \u201evertrauensvollen Datenaltruismus\u201c, bei dem diejenigen, die Informationen zur Verf\u00fcgung stellen, darauf bauen k\u00f6nnten, dass diese Daten \u201evon vertrauensw\u00fcrdigen Organisationen im Einklang mit den Werten und Grunds\u00e4tzen der EU behandelt werden\u201c. Die Grundlage daf\u00fcr bildet der Data Governance Act.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/de\/press\/press-releases\/2021\/11\/30\/promoting-data-sharing-presidency-reaches-deal-with-parliament-on-data-governance-act\/\">Ende November 2021<\/a> gelang es den Verhandlungsf\u00fchrenden von EU-Rat und -Parlament, sich auf einen Entwurf des Data Governance Acts zu einigen. Nun braucht es noch die formelle Zustimmung des Rats der Mitgliedstaaten sowie des EU-Parlaments. Dabei handelt es sich jedoch nur noch um Formalit\u00e4ten \u2013 inoffiziell soll eine Best\u00e4tigung bereits vorliegen.<\/p>\n<h3>Kritik am Data Governance Act<\/h3>\n<p>Der Data Governance Act soll L\u00f6sungen f\u00fcr die Probleme unserer Zeit vorantreiben \u2013 man m\u00f6chte auch gro\u00dfen Herausforderungen wie dem Klimawandel effektiver begegnen. Seit der Vorstellung des Gesetzentwurfs bis zur vorl\u00e4ufigen Best\u00e4tigung gab es neben vielen Positiv-Stimmen auch Kritiken f\u00fcr die geplante Verordnung.<\/p>\n<p>So fordern der Europ\u00e4ische Datenschutzausschuss (EDSA) sowie der EU-Datenschutzbeauftragte Wojciech Wiewi\u00f3rowski umfangreiche Korrekturen am Data Governance Act. Beide prangern an, dass keine grundlegenden Regeln zum Schutz der Privatsph\u00e4re von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern bestehen. Es sei Pflicht des Gesetzgebers, unmissverst\u00e4ndlich klarzustellen, dass der Data Governance Act \u201eweder das Schutzniveau der personenbezogenen Daten nat\u00fcrlicher Personen beeintr\u00e4chtigen noch die in den Datenschutzvorschriften festgelegten Rechte und Pflichten \u00e4ndern wird.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/edps.europa.eu\/press-publications\/press-news\/press-releases\/2021\/edpb-edps-adopt-joint-opinion-data-governance-act_en\">EDSA und Wiewi\u00f3rowski empfehlen<\/a>, sowohl den Begriff \u201eDatenaltruismus\u201c als auch die dadurch beg\u00fcnstigten Zwecke besser zu definieren. Das aktuelle Konzept sei zu schwammig. Eine Anpassung dahingehend, \u201edass Einzelpersonen ihre Zustimmung leicht erteilen, aber auch zur\u00fcckziehen k\u00f6nnen\u201c, m\u00fcsse durchgesetzt werden. Dadurch, dass Individuen ihre Informationen Austauschdiensten und Organisationen bereitstellen, entst\u00fcnden hohe Risiken. F\u00fcr diese reiche eine blanke Registrierung teilnehmender Einrichtungen nach DSGVO nicht aus, sondern es m\u00fcssten strengere Pr\u00fcfverfahren greifen. Hierf\u00fcr empfehlen der EDSA und Wiewi\u00f3rowski Rechenschaftsinstrumente, beispielsweise einen Verhaltenskodex oder auch Zertifizierungsverfahren.<\/p>\n<p>Geplant sind mit dem Data Governance Act Datenvermittlungsdienste, die in einem \u201enationalen Register der anerkannten datenaltruistischen Organisationen gef\u00fchrt\u201c werden, wie die EU in ihrer Pressemeldung von November 2021 erkl\u00e4rte. Auch daran \u00fcben EDSA und Wiewi\u00f3rowski Kritik: Dienstleister, die den Datenaustausch organisieren, m\u00fcssten verpflichtet werden, dass sie die erhaltenen Daten nicht selbst f\u00fcr eigene Zwecke auswerten. Andernfalls k\u00f6nne man kaum von \u201eDatenaltruismus\u201c sprechen \u2013 und Datenvermittlungsdienste w\u00e4ren keine neutralen Marktpl\u00e4tze mehr.<\/p>\n<h2>Data Governance Act: Viele positive Aspekte, aber Bedenken bleiben<\/h2>\n<p>Daten schaffen Wissen \u2013 und dieses Wissen k\u00f6nnte Antworten auf brennende Fragen unserer Zeit geben. Das hat die EU erkannt und in der Folge den Data Governance Act entwickelt. Die Vorteile dieser geplanten Verordnung liegen zweifelsfrei auf der Hand: Riesige Datenmengen, die heute einfach verpuffen, k\u00f6nnten effizient genutzt, die Realisierung gro\u00dfer Projekte und Potenziale durch das gemeinsame Verwenden von Daten erleichtert werden.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz sind die Kritiken, die im Verlauf des vergangenen Jahres immer wieder ge\u00e4u\u00dfert wurden, ebenfalls angebracht. Denn nur ein vollends durchdachtes Konzept erlaubt den angestrebten Datenaltruismus mit einer gemeinsamen und vertrauensvollen Nutzung von Daten. Es bleibt zu hoffen, dass die EU auf die Kritik eingeht und damit das Verbesserungspotenzial erkennt \u2013 schlie\u00dflich geht es nicht um irgendwelche leicht recherchierbaren, sondern um private, zum Teil sehr sensible Daten. Zu w\u00fcnschen bleibt, dass mit dem Data Governance Act eine Balance zwischen dem Teilen von Informationen und dem Schutz dieser Daten erreicht und die Verordnung so zum Erfolg wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem sich die EU-Mitgliedstaaten und das EU-Parlament mit dem Data Governance Act auf eine neue Verordnung zum Datenhandel in der EU geeinigt haben, wagt man sich an eine Gratwanderung: Einerseits m\u00f6chte man sensible Daten leicht teilen k\u00f6nnen, andererseits dabei jedoch auch die Grundrechte sch\u00fctzen. 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