{"id":65,"date":"2018-10-04T07:36:26","date_gmt":"2018-10-04T07:36:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/?p=65"},"modified":"2023-11-15T13:59:35","modified_gmt":"2023-11-15T11:59:35","slug":"payd-kfz-versicherung-mit-datenschutz-relevanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psw-consulting.de\/blog\/payd-kfz-versicherung-mit-datenschutz-relevanz\/","title":{"rendered":"Pay as you drive: Kfz-Versicherung mit Datenschutz-Relevanz"},"content":{"rendered":"<p>Pay-as-you-drive \u2013 kurz: PAYD \u2013 nennt sich ein neues Modell der Kfz-Versicherung. Dabei wird Telematik zur Risikoabsch\u00e4tzung genutzt. Autofahrer erhalten bei vern\u00fcnftigem Fahrverhalten Rabatte und verg\u00fcnstigte Tarife. Aber wie steht es um den Datenschutz? Stehen wir kurz vor dem gl\u00e4sernen Fahrer?<\/p>\n<h2>Was ist \u201ePay as you drive\u201c (PAYD)?<\/h2>\n<p>Pay-as-you-drive steht f\u00fcr \u201eZahle, wie du f\u00e4hrst\u201c \u2013 und das erkl\u00e4rt bereits das grunds\u00e4tzliche Modell. Autofahrer werden f\u00fcr eine umsichtige Fahrweise mit finanziellen Vorteilen belohnt, w\u00e4hrend Raser und unvorsichtige Fahrer mit teuren Tarifen abgestraft werden k\u00f6nnen. Man spricht auch vom \u201eTelematik-Tarif\u201c, wobei sich \u201eTelematik\u201c aus \u201eTelekommunikation\u201c und \u201eInformatik\u201c zusammensetzt.<\/p>\n<p>PAYD funktioniert also so: Die Versicherungsbeitr\u00e4ge werden am Fahrverhalten bemessen und das Fahrverhalten wird mittels Fahrparametern erhoben. Solche Fahrparameter sind unter anderem die Bremsdauer, die grunds\u00e4tzliche Geschwindigkeit, Informationen \u00fcber Tag- und Nachtfahrten, rasantes Gasgeben oder aber abruptes Abbremsen. Es gibt zwei M\u00f6glichkeiten, solche Parameter zu erfassen:<\/p>\n<ul>\n<li>GPS-Blackbox: Sie wird im Motor- oder Kofferraum installiert. Die GPS-Blackbox zeichnet Daten auf und \u00fcbermittelt diese an die jeweilige Kfz-Versicherung, die die Daten auswertet. Zwischen 500 und 1.000 Euro werden derzeit f\u00fcr einen solchen Datenspeicher f\u00e4llig.<\/li>\n<li>App: Diverse Versicherer bieten auch eine App an, die einfach auf dem Smartphone installiert wird. Die Telematik erlaubt das Speichern der Daten auf dem Smartphone und das \u00dcbermitteln selbiger an den Versicherer. Zwar ist die App in aller Regel kostenfrei, jedoch muss meist eine Kfz- und Unfallversicherung beim Versicherungsunternehmen abgeschlossen werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Prinzip ist also denkbar einfach: Fahrweisen werden erfasst, gespeichert und an das jeweilige Versicherungsunternehmen gesendet. Dieses wertet die Parameter aus. Vorsichtige Autofahrer k\u00f6nnen mit entsprechenden Tarifanpassungen rechnen \u2013 denn: Weniger Unf\u00e4lle kommen nat\u00fcrlich auch der Kfz-Versicherung zugute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Wie funktioniert PAYD und was habe ich davon?<\/h2>\n<p>Die Beitr\u00e4ge im Telematik-Tarif berechnen sich anhand eines Scores, also eines Punktestands. Dieser Score errechnet sich anhand verschiedener Kriterien. Erh\u00e4lt ein Fahrer einen Score von 100 Punkten, f\u00e4hrt er umsichtig. Je niedriger der Score ausf\u00e4llt, umso unvorsichtiger f\u00e4hrt der Autofahrer \u2013 und umso mehr wird er zahlen.<\/p>\n<p>Die Kfz-Versicherer gewichten die einzelnen Parameter unterschiedlich, sodass kein Pauschalrezept genannt werden kann. Oft f\u00e4llt neben einer umsichtigen Fahrweise auch eine dem Verkehr angepasste Geschwindigkeit ins Gewicht. Wer zu z\u00fcgig unterwegs ist, riskiert Unf\u00e4lle \u2013 das wird von der Versicherung mit einem schlechteren Score abgestraft.<\/p>\n<p>Sehr wichtig bei dieser Score-Kalkulation: Verleiht Euer Auto an jemanden, beispielsweise an Ihren heranwachsenden Spr\u00f6ssling, der gerade frisch seinen F\u00fchrerschein gemacht hat, wird auch diese Fremdfahrt mitberechnet. F\u00e4hrt der Nachwuchs also unsicher oder aggressiv, beeinflusst das Ihren Score negativ.<\/p>\n<p>PAYD-Systeme mit einer GPS-Blackbox haben ihre Vorteile: Der Unfalldienst kann das Auto im Falle eines Unfalls leichter orten und auch im Falle eines Diebstahls kann das Kfz schnell lokalisiert werden. Jedoch birgt diese Lokalisation Risiken im Datenschutz.<\/p>\n<p>Wie die Versicherer mit den Daten umgehen, ist eine wichtige Frage. Leider kocht hier jeder so ein bisschen sein eigenes S\u00fcppchen; der Umgang mit den erhobenen Daten ist von Versicherer zu Versicherer sehr verschieden. Es existieren Modelle, bei denen die Daten beim Mobilfunkanbieter verbleiben und der Versicherer lediglich den Score erh\u00e4lt. Und es gibt Modelle, bei denen der gesamte Datenumfang beim Versicherungsunternehmen landet. So oder so: Die Daten lagern auf m\u00f6glicherweise angreifbaren Servern und werden wom\u00f6glich zur Erstellung von Nutzerprofilen verwendet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Warum ist PAYD hinsichtlich Datenschutz problematisch?<\/h2>\n<p>Datensicherheit und Datenschutz sind gro\u00dfe Themen bei der Nutzung von Telematik. Es werden zahlreiche Daten erhoben, die enorm viel \u00fcber den Autofahrer verraten k\u00f6nnen. So werden zur\u00fcckgelegte Strecken gespeichert und mit Uhrzeit und Datum versehen. Auch Fehlverhalten am Steuer wird aufgezeichnet. Daneben werden Details erfasst: Wann blinkt der Fahrer? In welcher Lautst\u00e4rke ist das Radio aufgedreht?<\/p>\n<p>Es besteht die gro\u00dfe Gefahr des \u201egl\u00e4sernen Fahrers\u201c. Die Summe der Daten gestattet es, ein Profil zu erstellen. Dies k\u00f6nnte auch f\u00fcr strafrechtliche Ermittlungen genutzt werden \u2013 oder es k\u00f6nnte Missbrauch mit den Daten stattfinden. Aus diesen Gr\u00fcnden <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Big-Brother-kommt-an-213477.html\">erhielt im Jahr 2007<\/a> einer der Hersteller eines PAYD-Systems den Big Brother Award. Auch der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sieht PAYD kritisch: \u201eIm Grunde handelt es sich dabei um eine \u201efreiwillige\u201c Vorratsdatenspeicherung des Kfz-Halters\u201c, so Schaar.<\/p>\n<p>Daten, die Rabatte ausl\u00f6sen \u2013 das ist PAYD. Bislang sind Details zur Datenspeicherung und -auswertung noch rar gesiedelt. Wenn die Versicherungsunternehmen machen, was sie vom Autofahrer verlangen, n\u00e4mlich die Transparenz zu erh\u00f6hen, so k\u00f6nnte aus PAYD ein wenigstens halbwegs durchsichtiges Modell f\u00fcr die Kfz-Versicherung werden. Solange die Telematik-Versicherung jedoch noch so undurchsichtig ist, scheint es nicht sicher genug, so sensible Daten preiszugeben.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass diverse Menschengruppen Nachteile haben: So werden etwa Nachtfahrten als unsicherer gewertet als Tagfahrten. F\u00e4hrt nun der Nachtschichtler allabendlich durch die Stadt zur Arbeit, bekommt er Punktabzug. Kritisiert wird weiter die Einschr\u00e4nkung der pers\u00f6nlichen Freiheit, denn durch das Score-System w\u00fcrden sich Autofahrer entsprechend anpassen. Das hat Vor- aber eben auch Nachteile. Wer PAYD-Systeme nutzen m\u00f6chte, sollte sich also intensiv mit dem konkreten Versicherungssystem, der Datenerfassung, -speicherung und -auswertung befassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pay-as-you-drive \u2013 kurz: PAYD \u2013 nennt sich ein neues Modell der Kfz-Versicherung. Dabei wird Telematik zur Risikoabsch\u00e4tzung genutzt. 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